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Handbier und sein Dödel – Teil 2

2. Mai 2017

Der Junior war Zuhause, gesund und munter und wir waren wild entschlossen, unsere Vorstellungen weiter umzusetzen. Im Verlauf der Schwangerschaft taucht man immer tiefer in das bis dahin völlig unbekannte Thema „Eltern-sein”, bzw. „Eltern-werden“ ein und hat, im besten Fall, die gleichen Vorstellungen wie der Partner, was die generelle Richtung der Erziehung angeht.

Da die Frau und ich nicht nur bei Tinder ziemlich gut gematched haben, sondern auch im Real Life auf einer Wellenlänge funken, hat sich „die grobe Erziehungsrichtung“ ziemlich entspannt von allein eingepegelt.

Wir haben für uns ein paar Verhaltensweisen von vornherein ausgeschlossen, bzw. als selbstverständlich vorausgesetzt.

Folgende „Do’s“ und „Dont’s“ standen auf unserer Liste:

  1. Das Kind wird nicht im Ehebett schlafen, auch wenn wir (noch) nicht verheiratet sind (kam noch nicht dazu, zu fragen…).
  2. Das Kinderzimmer wird zum Schlafen nicht in eine Dunkelkammer umgewandelt, für den Fall, dass mal Auswärts geschlafen wird, muss das auch bei Helligkeit funktionieren.
  3. Durch die Bude schleichen, am besten überhaupt nicht bewegen und das Atmen einstellen, sollte nicht zur Gewohnheit werden, wenn das Kind schläft.
  4. Es wird kein Spielzeug geben, das Krach verursachen kann oder irgendwie anderweitig in der Lage ist, einem auf die Nüsse zu gehen.
  5. Wir reden nicht in Babysprache mit dem Kind.
  6. Der Fernseher wird bis zum 18. Lebensjahr unseres Kindes für ihn ein unbekanntes Wesen bleiben.
  7. Wir sind weiterhin spontan und total flexibel, was Termine, Veranstaltungen, Treffen und Partys angeht.
  8. Unser Kind wird keine beknackten Spitznamen bekommen.
  9. Wir werden nie unpünktlich sein.
  10. Unser Kind wird sich definitiv gesund ernähren, Obst, Gemüse,Fisch (ihr wisst was ich meine).

Das waren also die Eckpfeiler der handbierschen Erziehung, bzw. unsere Vorstellung davon. Machen wir uns nix vor, alle die das hier lesen und schon Kinder haben, die wissen, spätestens ab Punkt 4 wird’s unrealistisch. Ich möchte es mir trotzdem nicht nehmen lassen und werde die einzelnen Punkte mal beleuchten.

Punkt 1
Das Kind wird nicht im Ehebett schlafen, is klar. Also grundsätzlich kam das auch nur nachts vor. Folgendes Problem, der Dödel schlief in seinem Beistellbett, direkt neben dem Ehebett. Des Nächtens hat Muddi, bei Bedarf, die Brust ausgepackt und der Junior konnte sich an der Tankstelle bedienen, ohne das es nötig war aufzustehen. Win-Win-Situation für alle. Daraus resultiere allerdings, dass der kleine Lord immer automatisch vom Beistellbett zur Mutter rüber rollte. Wir haben das so lange toleriert, bis er zu sperrig wurde, etwa mit 10 Monaten musste er weichen, weil es uns zu eng wurde und er ja per Hausordnung sowieso keinen Anspruch auf irgendwas hat, was wir nicht akzeptieren wollen. Teilerfolg für den Junior, aber was soll’s, war ja nicht die erste Vorstellung, die nicht umgesetzt werden konnte.

Punkt 2
Ja Punkt zwei, was soll ich sagen, hat nicht funktioniert, des Dödels Zimmer ist zum Schlafen so dunkel wie bei nem Indianer im Hosenstall (manchmal riecht’s da auch so). Ohne läuft das einfach nicht.

Punkt 3
Ich sitze gerade am Esstisch und versuche nicht zu doll in die Tasten zu hacken (Grobmotoriker ist mein zweiter Vorname), damit der Lude nicht wach wird. Völliger Blödsinn, außer in den fünf Minuten der Einschlafphase wirklich nicht nötig, aber man will ja nix riskieren, kennt’er vielleicht!?

Zu Punkt 4
Kann ich sagen, dass wir das bravourös umsetzen, problematisch ist die Tatsache, dass es einige Personen im Freundes-/Bekannten- und Verwandschaftskreis gibt, die es für dringend notwendig halten, das Kind mit bunten (mitunter fast epileptische Anfälle verursachenden), lautem, blinkendem, ultra-super-duper-megamäßig-mords-nervigem Spielzeug zu versorgen. Und, auch hier müssen wir nix schön reden, hat das Kind das Spielzeug einmal in der Hand gehabt und auf den Knopf gedrückt, der die Diskomaschine anschmeißt, kann erstens das Holzspielzeug in den Keller gebracht werden und zweitens ist ein Entziehen des gerade neu ergatterten Spielzeugs ein reines Himmelfahrtskommando mit Schreikrampfgarantie. Danke dafür. Nicht!

Was stand noch auf der Liste?
Babysprache…“horch, tatütata“…wisst’er Bescheid. Ehrlich, da kann man nix gegen machen, die Bälger fangen ja selbst damit an und auf was anderes reagieren sie einfach nicht.

Dann war da ja noch die Sache mit dem Fernseher
Das ging fast zwei Jahre gut, danach hat er rausgefunden, wie das Teil angeht und dann war das gegessen. Zugeben muss ich allerdings, dass gerade bei längeren Autofahrten (3 Stunden + X) das iPad zum Einsatz kommt und dann Peppa Wutz und ihr Bruder Schniedel die Autofahrt für den Dödel erträglich machen müssen, im Auto wird nämlich ausnahmslos, egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit, maximal eine Stunde geschlafen.

Die Punkte 7 und 9 gehören ja irgendwie zusammen.
Auch hier kann man rückblickend nicht leugnen, dass das auch Vorsätze für’s neue Jahr hätten sein können. Die werden nie eingehalten. Niemals! Es ist ja bekanntlich schon schwer genug mit einer Frau irgendwie pünktlich zu sein, ihr wisst ja meist nicht was ihr anziehen sollt und Pipi müsst ihr auch noch dreimal bevor es los geht, der Kaffee ist Schuld. Is klar. Flexibel, ja flexibel sind wir, wenn man uns rechtzeitig (im besten Fall 2 Wochen vorher) Bescheid sagt, dann können wir alles flexibel einplanen.

Bei den beknackten Spitznamen haben wir unsere Vorstellungen durchgesetzt, der Dödel, aka. der Lude, formerly known as SchmickSchmock, hat keine blöden Spitznamen. Das lass ich jetzt einfach mal so im Raum stehen.

Zu guter Letzt die gesunde Ernährung
Hierzu möchte ich anmerken, dass ich seit der Geburt des Dödels zumindest weiß, was Pastinaken sind. In seiner Milchphase hat er natürlich nur beste Muttermilch bekommen, was gibt es auch Besseres!? Nachdem der Lude sein Milchabo bei Muddern gekündigt hat, bekommt er im Grunde alles, was wir auch essen und muss sehen, wie er damit klarkommt. Klappt aber ziemlich gut, nur Avocados, die sind ihm nicht geheuer. Zu seinen Favoriten zählen aber ganz klar, Lachs, Brokkoli, Nudeln mit Tomatensoße (Tomaten sind Gemüse) und Melone, vorzugsweise Honigmelone, ach und Kiwis, Weintrauben, Kaki (wer um Himmels Willen ist Kaki?), Bananen uuuuuuund Pflaumen. Von unserer Seite also ganz klar Check! Da der kleine Lord allerdings nicht ständig in unserem Einflussbereich verpflegt wird, kommt es vor, dass in der Kita, oder auch gern mal bei Oma und Opa, das ein oder andere Stück Schoki im Junior seinen Endgegner findet. Getränketechnisch halten wir ihn an der kurzen Leine, es gibt nur Wasser, das können wir uns gerade noch leisten. In der Kita gibt’s auch gern mal Kakao, in Unmengen Kakao, Tee und zu Geburtstagen auch mal Saft. Da wird sich konsequent über unseren Wasser-Befehl hinweggesetzt.

Alles in Allem bleibt also festzuhalten, dass unsere Liste ein schöner Grund war, sich mal miteinander zu unterhalten, weiterführenden Sinn, bzw. Erfolg lässt sie allerdings nicht erkennen.

Ich habe definitiv in den letzten 2 ½ Jahren gelernt, dass man sich Vieles vorstellen kann, das Meiste so nicht kommen, unvorstellbar anstrengend, kräftezehrend, lustig und vor allem wundervoll wird.

Stellt Euch das mal vor. Willkommen in der Realität!

Wer nicht mehr ohne Handbier leben kann: Folgt ihm auf Instagram oder hüpft auf seinem Blog vorbei: Hier lang!

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