Bullshitbingo – über ungebetene Tipps und Ratschläge…

23. Mai 2017

Ich glaube, es gibt kaum jemanden, der es nicht kennt:

Man hat frisch geworfen, ähm entbunden und will eigentlich erstmal in Ruhe seine Innereien ordnen.
Aber wer Familie hat, der hat wohl keine Ruhe verdient.

Mein größter Wunsch war: kein Besuch im Krankenhaus. Die ersten Tage wollte ich nur mit meiner eigenen kleinen Familie verbringen.

Kaum war das Kind jedoch rausgeschnitten, machte sich schon die niederbayerische Baggage auf den Weg in die Landeshauptstadt. Meine Mutter, die kein Auge zugetan und bestimmt die ganze Nacht gebetet hat, wurde von meiner Schwester chauffiert – mit im Auto: meine beste Freundin und überraschenderweise auch noch meine Nichte. Hätten sie an diesem Sonntag einen Bus organisieren können, sie hätten ihn mit der restlichen Verwandschaft inkl. Cousinen 17. Grades gefüllt.

Gnädigerweise ersparten sie mir an diesem Tag Ratschläge, aber dies hielt nicht lange an.
Lasset die Spiele beginnen:

Ich habe mein Kind voll gestillt, doch schon in den ersten Wochen kam die Frage: „Warum gibst du ihm denn keinen Tee?“ Mensch, warum eigentlich nicht? Wieso bin ich da noch nicht drauf gekommen, dass mein Kind zu seinen nachmittäglichen Scones und Gurkenschnittchen vielleicht auch noch einen Tee wollte? So ein Stillkind ist halt echt immer knapp vorm Verdursten, daher: Gin Tonic schafft immer Abhilfe und das Gute: das Kind schläft dann sogar durch!

„Wieso trinkt er denn so oft? Hat er denn keinen Rhythmus? Also mein Kind hatte einen 4-Stunden-Rhythmus!“ Mmmmhm, ok, ich werde alles dafür tun, es ihm abzugewöhnen alle 2-3 Stunden trinken zu wollen. Am Besten ich geb ihm eine Flasche mit Folgemilch 27, dann hat sich die Sache sofort erledigt.

„Diese neumodernen Hebammen haben sie doch nicht mehr alle! Tragen ist nicht gut für die Hüfte des Babys, du darfst ihn nicht so oft tragen!“ Ohjemine, alles klar. Hab ich sofort unterlassen, im Fernsehen kamen diese ganzen armen Kinder in Afrika, die zu lange getragen wurden und nun alle Rollstuhl fahren müssen. Was bin ich dankbar für diesen Ratschlag, konnte ihn gerade noch vor gravierenden Folgeschäden bewahren.

Zwei Wochen nach der Entbindung: „Wieso schläft er denn noch bei euch? Mein Kind hat sofort in seinem eigenen Zimmer geschlafen!“ Echt? Wie cool! Du hast ja auch  nie gestillt und dein Kind mit Trinkbrei vollgestopft, klar hat er da vorzüglich geschlafen. Ich bin einfach nur eine faule Sau, die nicht alle zwei Stunden zum Stillen aufstehen möchte. Shit happens, hoffentlich entwickelt mein Kind keine Störung und wird zum Serienmörder oder so, weil er schon ein Jahr bei uns im Zimmer schläft.

„Lass ihn doch schreien, du musst da gelassener werden. Außerdem ist das gut für die Entwicklung der Lungen!“ Ich glaube, ich werde erst wirklich gelassener werden, wenn alle einfach ihre Klappe halten und mich machen lassen. Diesen Bullshit-Satz hab ich wirklich bis zum Erbrechen gehört. Haben auch ohne Schreien tatsächlich ein Kind mit gesunder Lunge, Glück gehabt!

„Ihr verwöhnt ihn viel zu sehr.“ Ein Spruch in meinen Top 3, man kann ein Baby ja wirklich von vorn bis hinten verwöhnen. Ich muss jetzt damit aufhören, ihm den Arsch abzuwischen. Und eigentlich kann er sich seine Mahlzeiten auch selbst zubereiten. Kuscheln ist auch aus, sonst entwickelt er sicher einen Mama-Komplex.

„Darf er schon Schokolade/Zucker/Honig?“ Ja, klar, er nimmt immer 3 Teelöffel in seinen Espresso. Nur zu!

„Kriegt er in der Trage überhaupt Luft?“ Das ist wirklich ein Klassiker, den kennt ihr alle. Wie oft haben mich wildfremde Omas das gefragt? Beste Antwort: „Scheisse, ich glaub, er ist tot.“

Und jetzt die Frage der Fragen: „Schläft er schon durch?“ Einzig zulässige Antwort: Geh sterben!

Und jetzt seid ihr dran, welche Tipps waren für euch die Bullshit-Tipps schlechthin??

Eure Milla

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