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DDEKE – Das zweite Kind läuft mit & ich dreh am Rad

23. April 2017

Dinge die einem keiner erzählt? Die gibt es zuhauf. Ich werde heute auf die erste Zeit mit zwei Kindern eingehen. Denn wenn wir ehrlich sind, erzählt einem kaum jemand, wie es tatsächlich läuft.

Ich gebe es ja zu, meine Vorstellung war vielleicht ein wenig unrealistisch. Man vergisst die erste Zeit mit Baby einfach sehr schnell!

So sah ich mich freudestrahlend in einem frisch bezogenen, herrlich duftenden Bett liegen. In einem Arm ein friedlich schlummerndes, rosiges Baby und im anderen Arm meine glückliche große Tochter. Wir schauen uns alle verliebt an, genießen die Ruhe, schlummern zufrieden gemeinsam ein.

Während meine große Tochter in der Schule ist, kann ich in Ruhe mit dem Baby einkaufen gehen, den Haushalt erledigen und vielleicht ab und an ein Schläfchen halten. Wir besuchen Krabbelkurse und treffen uns mit anderen Müttern zum Austausch auf einen Kaffee. Sobald die große Schwester von der Schule kommt, wird gemeinsam Mittag gegessen. Sie kann mir in Ruhe über ihren Tag erzählen und danach machen wir Hausaufgaben. Den restlichen Tag spielen und kuscheln wir Drei, gehen spazieren und genießen diese neue Zeit.

Na, seid ihr schon gespannt wie es wirklich läuft?

Dann fangen wir mal von vorne an. Herrlich duftendes Bett?! Von wegen. Es roch fast die ersten 10 Monate nur nach Erbrochenem. Meine Tochter war ein Spuckkind und nachts wurde regelmäßig ins Bett und auf Mama gekotzt. Theoretisch hätte ich jeden Tag das Bett neu beziehen müssen. Theoretisch. Denn ich hatte einfach keine Zeit. Mein Baby hält nämlich bis heute absolut nichts vom Durchschlafen. Fast stündlich wurde nach der Milchbar verlangt und so kroch ich dann morgens als Mombie (Halb Mutter, halb Zombie) aus meinem Bett, natürlich herrlich nach Kotze duftend. Mein Stilloberteil komplett offen, was ich allerdings oft erst merkte, wenn die Große mich irritiert ansah. „Öhm Mama, da hängt was raus“! Hupsi!

Egal wie bescheiden die Nacht war, die Große muss in der Früh fertig gemacht werden. Das heißt: Morgens um 6 aufstehen, Frühstück machen, Brot-Dose liebevoll herrichten und das Schulkind zum Bus bringen. Der Blick des Busfahrers war oft einfach genial. Ein völlig zerzausterer Mombie mit rekordverdächtigen Augenringen wird ja auch nicht allzu oft in freier Wildnis gesichtet.  

Bei meinem ersten Kind konnte ich mich wenigstens ab und an nochmal mit hinlegen. Einfach mal schlafen, wenn das Baby schläft. Das geht aber leider nicht mehr wenn man zwei Kinder hat und auch keine Wohnung mehr sondern ein Haus. Also die volle Dröhnung Kaffee und dann alles erledigen was so ansteht, bevor die Große von der Schule kommt.

Diese intensive Zeit, die ich mit meiner ersten Tochter genießen konnte, blieb mir beim zweiten Kind leider verwehrt. Natürlich hat man auch mal einen Vormittag Ruhe und auch Zeit zum Kuscheln und Spielen, aber halt nicht so viel wie beim ersten Kind.

Und wenn Oma und Opa nicht gerade um die Ecke wohnen und einen mal tatkräftig unterstützen können, ist es einfach noch schwieriger. Man versucht sein Möglichstes, beiden Kindern gerecht zu werden. Aber es klappt leider nicht immer. Wenn das Baby schreit MUSS ich mich erst um die Kleine kümmern. Stillen, Wickeln usw. Die Große MUSS warten. (Oder ruft: „MAMAAAAA, still endlich das Baby“) Egal ob sie gerade eine Frage zu den Schulaufgaben hat oder einfach nur kuscheln will. Sie zieht in diesem Moment einfach den Kürzeren. Meistens ist sie sehr verständnisvoll, aber auch sie ist manchmal einfach nur genervt.

Ich war in den ersten Monaten einfach so wahnsinnig müde, gestresst und auch mal überfordert. Das ist völlig normal und man darf es auch aussprechen. Alles verändert sich mit einem Baby. Es wird wirklich so viel schöner, aber es muss sich einfach auch alles erstmal einspielen. Man muss sich an diese „neue“ Leben erstmal gewöhnen und einlassen.

Meinen Mädchen soll es an nichts fehlen. Sie bekommen sehr viel Liebe von mir, aber manchmal habe ich Angst, dass es nicht reicht. Dass ich nicht „ausreiche“.

Ich versuche ab und an ein „Mama Date“ mit der Großen einzurichten, eine Unternehmung ohne Leni. Einfach nur wir Beide. Mal ins Kino oder Mädchenkram machen. Das ist für uns beide immer sehr schön und wir genießen diese Zeit.

Sowas kann ich natürlich mit Leni noch nicht machen. Manchmal habe ich das Gefühl, sie läuft einfach nur mit. Gut, sie kennt es nicht anders, aber macht es das besser? All das, was ich mit Lilly im ersten Jahr machen konnte, geht jetzt nicht. Krabbelkurs? Schwimmen? Wann? Die Vormittage sind meist verplant und den Haushalt muss ich auch irgendwann wuppen.

Als ich meiner guten Freundin Nicole (2-fach Mutter) vor ca. 3 Jahren erzählte, dass ich gerne noch ein zweites Kind haben möchte, sagte sie einen Satz, der mir jetzt oft durch den Kopf geht: „Ein Kind ist Urlaub“ !

Ich fand das damals völlig unangebracht: Hallo?! Ich war auch gestresst. Hatte schließlich eine Menge zu tun. Ich bin 30 Stunden arbeiten gegangen, musste mich um den Haushalt kümmern und Lilly bekam sehr viel Aufmerksamkeit von mir. Wir haben immer viel zusammen unternommen. Gebastelt, gelesen, getobt, Ausflüge gemacht usw. Ich kann nicht sagen, dass es sich wie Urlaub anfühlte. Allerdings muss ich jetzt sagen, dass schon ein bisschen Wahres daran ist. Vielleicht ist es nicht gerade Urlaub, aber es ist einfacher.

Nach einem Jahr kann ich jetzt zurückschauen und sagen: „Ja, es war anstrengend. Es war anders als in meiner Vorstellung, aber es war auch einfach wunderschön und voller Liebe. Noch nie war ich so fertig und trotzdem so glücklich!“

Diese beiden Mädchen zusammen zu sehen, diese wahnsinnig tiefe Geschwisterliebe zu spüren, die sie füreinander empfinden ist einfach das Beste überhaupt.

Auch wenn ich morgens nicht völlig erholt in duftender Bettwäsche aufwache, bin ich trotzdem eine sehr sehr glückliche und stolze Mutter. Diese erste anstrengende Zeit geht vorbei, dennoch versuche ich sie zu genießen, denn sie kommt nicht wieder.

Eure Bianca

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6 Comments

  • Reply Christin 23. April 2017 at 13:33

    Liebe Bianca ich folge dir schon seid meiner Mutterschutz Zeit mit meiner kleinen. Unsere Kinder haben den gleichen Altersunterschied. Dein Text könnte von mir sein. 😉 Bei mir ist es manchmal wirklich so das ich denke meiner großen nicht mehr gerecht zu werden, dieses stillen 🙄 man kann ja nicht wirklich weg. Fine hatte ich mit 6 Monaten abgestillt ohne Probleme und die Nächte waren auch wieder ruhig. Ella ist 8 Monate alt. Aber von durchschlafen bzw. die Tittis sind wieder meine ist nicht dran zu denken. Wir waren letzte Woche mal zu dritt weil die große bei Oma und Opa war die 300km weit weg wohnen. Boar ich muss sagen das war sooo toll. Wir konnten die kleine mal richtig genießen 😊 und die große war glücklich mal die Nr. 1 zu sein!
    Viel zu viel geschrieben🙈
    Alles in allem toller Text 💋💋💋
    Lg Christin

    • Reply admilf 23. April 2017 at 14:51

      Danke liebe Christina ❤ es war mir ein Bedürfnis, einmal ehrlich über die erste Zeit mit zwei Kindern zu schreiben. Man ist als Mutter so oft hin und hergerissen, möchte alles richtig machen. Meistens spricht keiner darüber und man fühlt sich noch schlechter! Ich bin froh, dass mein Text dir so gut gefällt und wünsche euch noch alles gute 😘

  • Reply Dunja 23. April 2017 at 15:32

    Danke für deine Ehrlichkeit,denn das erzählt dir niemand….

  • Reply Katja 23. April 2017 at 16:02

    Ich hätte nie gedacht, dass es sich so sehr von der Zeit beim ersten Kind unterscheidet.
    Ich hab versucht es für den Großen so reibungslos wie möglich zu gestalten und hab ihn schon wenige Tage nach der ambulanten Geburt mit der kleinen Schwester in die Kita gebracht und abgeholt. Wirklich erholsam für meinen Körper war das nicht. Aber ich hatte so eine Angst das er sich zurück gesetzt fühlt. Und dann noch das schlechte Gewissen meinem Baby gegenüber. Im Gegensatz zu Johannes, hatte Anni nie die super Luxus rundum Betreuung. Sie musste von Anfang an eben auch mal warten. Genau wie ihr Bruder musste auch die Kleine mal zurück stecken. Das ging natürlich nur, weil sie so ein entspanntes Kind ist (von gelegentlichem divenhaften Verhalten abgesehen 😅).
    Es hat einige Monate gebraucht bis ich mich mit dem Gedanken ausgesöhnt habe, dass ich das Ideal nie im Leben erreichen werde und die Kinder deswegen dennoch nicht emotional verkümmern werden. Bis ich wirklich zufrieden bin wird es wohl trotzdem eine Weile dauern. Aber wir arbeiten daran. 🤗

  • Reply Juju 24. April 2017 at 11:13

    Wie wahr, wie wahr… etwa ein Jahr, bevor ich zum zweiten mal schwanger wurde, erzählten mir mehrere Leute, wie stressfrei ein Kind doch sei und wie viel größer die Umstellung beim zweiten Kind sei. “Ein Kind ist kein Kind“ – ha, wie hab ich die belächelt. “Die Umstellung von kinderlos zum ersten Kind kann man gar nicht übertreffen. Beim zweiten Kind weiß man doch schon, wie der Hase läuft!“ hab ich gedacht..
    Tja, so kann man sich täuschen. Klar, die Geburt, die Pflege, das Stillen, all das kennt man schon. Aber der emotionale Spagat, den man plötzlich machen muss, von “ich schenke meinem Baby/Kind all meine Liebe und Aufmerksamkeit“ hin zu “scheiße, um wen soll ich mich jetzt zuerst kümmern? Vernachlässige ich eins der Kinder? Kriegen beide gleich viel Liebe?“ – darauf bereitet einen keiner vor. Was hab ich die ersten Monate geheult, weil ich dachte, meine Große kommt zu kurz.
    Auch der organisatorische Aufwand hat sich irgendwie nicht nur verdoppelt, sondern vervielfacht.
    Aber all das ist es wert, wenn die beiden Kinder anfangen, miteinander zu interagieren und du plötzlich siehst, dass sich nicht nur der Aufwand vervielfacht hat, sondern auch die Liebe..

  • Reply notanotherinstamom 24. April 2017 at 21:32

    Großartig geschrieben! Ich befinde mich ja momentan noch im Urlaub; ein Kind und so. 😁
    Trotz dessen, dass du so unverblümt und ehrlich erzählt, wie es wirklich mit zwei ist. Ist der Abschluss so schön und darauf finde ich kommt es an. Fazit: Du hast mich nicht abgeschreckt eher ermutigt mit einem viel besseren Bewusstsein, was mich erwarten würde. Merciiiii! ☺😚

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