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DDEKE – Die Geburt. Zwischen Wehen veratmen und Vollkacken.

28. Mai 2017

Der Punkt, zu dem einem wohl das Meiste verschwiegen wird, ist die Geburt.

Rein ist einfach. Aber das Kind muss ja nach ca. 40 Wochen des Brütens und Gedeihens auch wieder raus und dafür gibt es genau zwei Möglichkeiten. Zum Kaiserschnitt kann ich nicht viel sagen. Ich bin zwar selbst per Kaiserschnitt zur Welt gekommen, aber wie so oft habe ich dieses Erlebnis verdrängt oder vergessen.

Weil man nur den Vorgang des Kinder-Zeugens üben kann, jedoch nicht den des Gebärens, gibt es sogenannte Geburtsvorbereitungskurse. 

Diese kann man entweder alleine besuchen oder zusammen mit dem Partner. Bei Letzterem hat der Partner dann folgende Funktion: sich darüber zu freuen, dass er bei der Verteilung der Genitalien das schmerzfreiere Los gezogen hat. Und das war’s. Ernsthaft Mädels, lasst eure Männer doch BITTE zu Hause, die haben ihren Part doch längst erfüllt und gehen euch eh nur auf den Keks. Wenn ihr dann zusammen im Kreißsaal seid, sind die sowieso völlig überfordert. Meiner hat ein Selfie gemacht und das war’s auch schon. Erst bei der Nabelschnur wurde er wieder gebraucht.

Man sitzt also ab der ca. 28. SSW in einem Raum voller kugelrunder, aufgedunsener, behäbiger und schwerfälliger… ääh strahlender, glücklicher, träumender Bald-Mamis, denen die Vorfreude ins Gesicht geschrieben steht. Alle haben sich um die Hebamme versammelt, die einem ab sofort jede Woche durch teils absurde, teils hilfreiche Übungen die Angst davor nehmen möchte, dass man wahrscheinlich ein Kind mit den Ausmaßen eines ausgewachsenen Truthahnes inklusive Weihnachtsfüllung durch seine Weichteile pressen wird, wobei man vom Bauchnabel bis zum Steißbein aufreißt und eine Genital-Transplantation braucht.

Ich war in 3 von 8 Vorbereitungsstunden und habe mich die meiste Zeit einfach nur fremdgeschämt. Gemeinsames „aaaah…“, „oooh..“ und Meditationsübungen, bei denen ich mir vorstellen sollte, dass eine Seerose aus mir herauswächst, die erblüht während der Bach des Lebens sanft plätschert… PLÄTSCHERT. Mein Stichwort. Ich muss pinkeln.
Ich bin dann diejenige, die in so einem Kurs anfängt zu lachen und irgendwann nicht mehr hingeht. Und so war es auch. Aber in der Stunde mit den Atemübungen war ich. Das sollte ich auch brauchen. Wovor ich panische Angst hatte war nicht etwa die Geburt an sich. Viel mehr Sorgen machte ich mir um etwas anderes.

Ich wollte mich unter keinen Umständen anscheißen.

Ich hätte jetzt auch „vollkoten“ schreiben können, aber das würde ich so nie formulieren. Ich gehe auch nicht vor meinem Mann aufs Klo. Dieser wird jedoch bei der Geburt neben mir stehen. Ausserdem wollte ich nicht, dass mein Kind in einen Kackehaufen hineingeboren wird. Was wäre das nur für 1 Life? Aber wie kontrolliert man das? Bekommt man einen Einlauf? Isst man ein paar Tage vorher keine Kohlenhy – hihi, das ist unrealistisch und auch lustig. Ich muss lachen. Woher bekomme ich einen Einlauf? Was mache ich, wenn ich das Kind am Klo bekomme? Ja, solche Fragen beginnt man sich zu stellen.

Tatsächlich wäre es mir absolut und zu 10.000% scheißegal gewesen, wenn es passiert wäre (was für ein Wortspiel). Ich hätte es ja nie geglaubt. Aber man hat dann einfach andere Probleme. Zum Beispiel folgendes: WO BLEIBT MEINE SCHEISS PDA? Das Krankenhaus ist sie mir bis heute schuldig, denn versprochen wurde sie mir. Nächstes Mal, wenn ich verkatert bin, hole ich sie mir ab. Gegen Kopfweh hilft die bestimmt auch. Auf das Lob der Hebamme hin, ich sei einfach zu schnell für die PDA und der Muttermund wäre schon zu weit offen, konnte ich sie nur anpöbeln und beleidigen. So habe ich ihr zum Beispiel an den Kopf geworfen, sie wäre einfach zu langsam gewesen.

Wehen fühlen sich genauso an, wie ich es mir gedacht hatte. Eine Mischung aus Periodenschmerzen, gepaart mit Wadenkrampf in der Gebärmutter, das ganze 10x so schlimm und mit Suizidgedanken verfeinert. Presswehen hingegen kamen für mich völlig unerwartet, die hatte ich so nicht kommen sehen. Vielleicht hätte ich bei der Geburtsvorbereitung besser aufpassen oder überhaupt erstmal hingehen sollen, aber das war dann auch schon zu spät.

Ich dachte, es fährt ein Kampfpanzer aus dem II. Weltkrieg aus mir heraus. Gebrüllt habe ich wie ein brünftiges Gorillaweibchen, das in einer Metalband singt. Nicht mein glorreichster Moment, aber mein produktivster. 

Und dann war er da. Mein kleiner Saugglocken-Conehead. So verformt und doch so schön.
Plötzlich fällt mir etwas ein. Da war doch was! Die Nachgeburt! Panik macht sich breit. Muss ich jetzt nochmal das ganze Prozedere von vorne durchleben? Nochmal Schmerzen, nochmal Pressen? Doch glücklicherweise ist man so demoliert und traumatisiert, dass einem dieser Teil vorkommt wie ein Spaziergang. Pflatsch. Draußen. „Wollen Sie die Plazenta sehen oder mit nach Hause nehmen?“ Klar, hab ihr schon ein kleines Fach im Kühlschrank eingerichtet, mit kleinem Sofa und winzigen Vorhängen, ein Coming-Home-Outfit hab ich ihr auch genäht. Äh – nicht.

Im Endeffekt habe ich gelernt, dass man sich auf eine Geburt einfach nicht vorbereiten kann. Es kommt ja doch anders, als man denkt. Also immer schön locker bleiben – „dringeblieben ist noch keins“, wie man so schön sagt.

Eure Mösi

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