#fürmehrrealität #schwangerschaft

Die Qual der Genital-Wahl

18. Juni 2017

„Ooooh.. Was wird es denn?“ Der Schlag-in-die-Fresse-Satz 2015.

Da ich ja bereits aussah wie eine trächtige Seekuh, unmittelbar nachdem der Pinkeltest trocken war, begannen die Leute ziemlich bald mich nach den Genitalien meines Kindes auszufragen.

Prinzipiell habe ich kein Problem damit, auch das ständige Bauchstreicheln hat mich nie gestört. Ich fühlte mich ein wenig wie Buddha und vielleicht habe ich so manchem damit Glück gebracht. Nur ich selbst hatte kein Glück, zumindest nicht bei dem Teil des Arztbesuchs, bei dem man normalerweise ab der ca. 12. Schwangerschaftswoche erfährt, in welcher Kinderklamotten-Abteilung man eskalieren darf.

Jedes mal ging ich voller Vorfreude zum Arzt um dann mit einem lachenden und einem weinenden Auge wieder die Praxis zu verlassen. Um ehrlich zu sein, war ich sogar mehr deprimiert als glücklich. Schon ne ziemlich beschissene Einstellung von mir, im Nachhinein.

Aber die Hormone, Leute. Hormone sind der Endgegner.

Ich habe sogar auf jeder Fahrt zum Arzt das Lied von Jon Lajoie, „Show Me Your Genitals“, gehört, als Wink mit dem Zaunpfahl. Ach, dem ganzen Zaun.

Kurz vor unserem Sommerurlaub habe ich dann € 120,- für einen 3D-Ultraschall in einer anderen Praxis ausgegeben, da mein Arzt technisch leider nicht so gut ausgestattet war. Ich war mir sicher, dass ich dort erfahren würde, was es wird. Doch auch nach einer halben Stunde des Drehens und Wendens hatte Frau Dr. Klum leider kein Foto für mich.

So vergingen die Wochen und ich wurde immer dicker, jedoch nicht schlauer.
Dann beginnt man zu googeln. Kuriose Bauernregeln gibt es genug.

Isst die Mutter lieber Süßes oder Salziges? – Äääh, beides?!
Ist der Herzschlag des Babies schneller oder langsamer als 140 Schläge? – Na toll, genau 140.
Ist der Bauch eher spitz oder rund? – Geht auch „fett“?

Ausserdem kann man auf so gut wie alles pinkeln. Auf Backpulver zum Beispiel. Habe ich gehört. #hust

Ich hätte sogar den Nachbarshund angepullert, wenn mir das die Erleuchtung gebracht hätte.

Das Ganze ging tatsächlich so weit, dass ich mir einen Gender-Test aus den USA bestellt habe, den man – welch Überraschung – anpinkelt und der sich dann blau oder rosa färbt. Dieser Text ist ganz schön Urin-lastig, es tut mir leid. Aber könnte schlimmer sein. #bittekackenSieaufdiesenTeststreifen
Also 2 Stück bestellt, viel zu viel Geld ausgegeben, gewartet. Warten konnte ich ja mittlerweile. Wäre dies ein Spielfilm, käme jetzt Werbung – aber definitiv nicht für diesen beschissenen Test, denn das war wirklich der Höhepunkt einer Niederlage.
Die Post trudelte ein, die Blase war eh immer voll, also schnell ins Bad damit und die Anleitung befolgt. Blau oder rosa sollte auf der Anzeige erscheinen. 50 – 50. Eigentlich sollte das Ergebnis klar sein, die Spannung stieg.

Erklärt mich jetzt für bescheuert oder nicht, aber das Testergebnis war eindeutig.

Eindeutig: „lila“ statt „rosa/blau“.

Und zwar eindeutig Lila. Lila. LILA. Die Farbe, die man bekommt, wenn man rot und blau mischt. Danke auch. Bevor jetzt unzählige Fragen auf mich niederprasseln: den blöden Test gibt es hier. #ganzsichernotsponsored
Sorry für das schlecht Bild – hätte nie gedacht, dass ich das mal so vielen Leuten zeige.
Spätestens an diesem Punkt war mir SCHEISSEGAL was es wird.

Ich war derartig genervt von diesem Thema, dass mir selbst ein: „Herzlichen Glückwunsch, es wird ein Tintenfisch“ egal gewesen wäre.

Ich hatte ja nicht einmal einen bestimmten Geschlechterwunsch, ich war einfach nur neugierig. Das war alles. Die pure Neugier hat mich um den Verstand gebracht. Und ich gebe zu, ich dachte mein Kind will mich ärgern und ich war sogar ein wenig gekränkt. Ich schreibe das nur, weil ich mir sicher bin, dass irgendjemand der hier mitliest mich versteht. Alle anderen schütteln wahrscheinlich den Kopf. Ich jetzt im Nachhinein auch.

Mein nächster Termin war um die 24./25. SSW. Als ich im Wartezimmer saß und hörte, dass der Raum mit dem besseren Ultraschallgerät nicht genutzt werden konnte und ich in einen anderen Raum mit veraltetem Gerät sollte, wäre ich am liebsten gegangen. Auf dem Weg hinaus hätte ich gerne noch ein paar Sachen zertrümmert wie ein Rockstar in einem Hotelzimmer.

Doch das viele Pinkeln sollte endlich belohnt werden.

„Wissen Sie schon, was es wird?“ fragt die Ärztin. „NEIN DU BLÖDE ARSCHKRAMPE!“

habe ich natürlich nicht gesagt, hihi. „Das Kind liegt zwar etwas ungünstig, aber es ist eindeutig – ein Junge!“

Ein Junge. Es ist ein Junge. Es war, als wäre meine Welt nicht mehr schwarz-weiß wie der Ultraschall, sondern hätte endlich eine Farbe. Nämlich hellblau. Auch wenn es egal ist, war mir persönlich sehr wichtig, das Geschlecht zu erfahren. Ich konnte dem Kind endlich einen Namen geben, wenn ich mit ihm sprach. „Ben.“ Mein Ben. Ich konnte Klamotten kaufen, Wandfarbe aussuchen und mich darauf einstellen, eine Jungsmama zu werden. Und jetzt falle ich täglich über Spielzeugautos, das Bobbycar rollt durch die Wohnung und ich lache über mich selbst.

 

Eure Mösi

You Might Also Like

No Comments

Leave a Reply