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Fernbeziehung – letzte Chance für unsere Liebe?

24. September 2017

4 Jahre sind wir nun zusammen. In diesen Jahren haben wir doch schon einiges erlebt – wir sind feiern gegangen, haben Sonntage mit Kater und Lieferheld im Bett verbracht, haben uns den Mallorca-Jens reingezogen, sind zusammengezogen, haben uns fürchterlich gestritten weil Zusammenziehen nicht einfach ist. Haben uns eine Putzfrau gesucht und gefunden, die unsere Beziehung rettete (jede Frau kennt das Socken-Problem und die Sache mit dem Zielen 😉 ).  Wir torkelten gemeinsam durchs Leben, waren nie das Paar, das die Sätze des Anderen vervollständigen konnte – aber trotzdem waren wir auf unsere Weise glücklich. Und dann wurde ich schwanger, ungeplant aber dennoch dankbar für das kleine Wunder in mir.

Mit dieser Schwangerschaft wurde unsere junge, chaotische Beziehung auf die Probe gestellt. Diese Schwangerschaft veränderte alles. Vor allem mich. 

Aus der Lebefrau wurde ein hormongesteuertes Monster, das auf einmal riechen konnte wie ein Nasenbär. Ich schwöre bei meinem großen Zeh, bevor der Chrizzla die Haustür aufschloss wusste ich schon, wie viele Bierchen es zum Feierabend gab. Und das Drama nahm somit seinen Lauf.

Es gab nichts mehr, was für mich wichtiger war als der kleine Junge in meinem Bauch. Weder mein Job, noch meine Beziehung. Die Prognosen für diese Schwangerschaft waren alles andere als rosig und ich tat alles, um dieses Kind zu behalten.

Dabei verlor ich uns als Paar aus den Augen und er machte sein eigenes Ding. 

Es gibt sicher einige Mädels da draußen, deren Partner in der Gastronomie arbeitet und die das Problem kennen: Viel zu lange Schichten, meist vom frühen Nachmittag bis spät in die Nacht hinein. Wenn man frisch zusammen ist, ist das alles kein Problem. Man weiß ja immer, wo man das #herzibubi findet. Hinter der Bar, mit nem Gin Tonic in der Hand. Man geht zusammen aus, lernt die ganze Szene kennen. So weit so gut. Aber was passiert, wenn man diesen Lifestyle nicht mehr „mitleben“ kann?

Da saß ich nun, jeden Abend allein zu Hause – und an den freien Tagen wartete ich darauf, dass der Mann endlich ausschläft um dann selbst bald schlafen zu gehen. Ein Leben aneinander vorbei.  

Zu Beginn hatte ich noch Verständnis, dann dachte ich, es wird alles gut, sobald das Kind da ist. Ebenso war ich überzeugt davon, dass meine Launen sich auch geben würden. Lag sicher an der Schwangerschaft. Falsch gedacht… denn dem war nicht so, das lag einfach daran, dass ich mit dieser Situation nicht mehr glücklich war und es auch nicht mehr werden sollte.

Die Gastronomie war dabei, unsere Beziehung zu zerstören.

Natürlich war es nicht nur die „Gastronomie“, dieser Job ist auch nur das, was man draus macht. Aber dieser Lifestyle war nicht mit meinem Bild einer glücklichen Familie zu vereinbaren. Anfang April kam unser kleiner Mann per Kaiserschnitt auf die Welt, ich entließ mich an Tag 4 auf eigenen Wunsch aus dem Krankenhaus. Mein Wochenbett dauerte genau fünf Tage, ab dem sechsten Tag war ich allein mit meinem Kind. Schon wieder alleine.

Überall sah ich Fotos von frisch gebackenen „Familien“, bei denen alles flauschig und toll war. Alle waren überglücklich und ich kam einfach nur zurecht. Ich konzentrierte mich darauf zu überleben, mit schreiendem Kind, das an Koliken litt und einem Mann, der gefühlt nie da war. Nach und nach spielte sich die Situation ein und wenn er da war, dann stritten wir uns.

Es kam wie es kommen musste, nach einem halben Jahr eskalierte es. Unsere Beziehung war mir egal geworden, es gab nur noch meinen Sohn und mich. Und wir mussten eine Entscheidung treffen, wie es mit uns als Paar weitergehen sollte. 

Eigentlich musste er sie treffen, denn ich hatte es schon mit mir selbst ausgemacht und mich in mein Schneckenhaus zurückgezogen. Ich malte mir aus, wie ich das Leben mit Kind und ohne ihn bewerkstelligen könnte. Aber dennoch hatte ich innerlich nicht komplett abgeschlossen, ich wollte es retten, aber ich wollte auch nicht mehr kämpfen, denn irgendwie fehlte mir die Kraft hierfür.

Chris entschied sich für uns und gab sein altes Leben auf. Das ging natürlich nicht von heute auf gleich und unsere Beziehung war nicht sofort geheilt. Das ist sie sicher bis heute nicht.

Wir kämpfen immer noch um unsere Liebe und es ist nicht immer leicht. Aber wir wollen es beide, wir wollen eine Familie sein und bleiben. Für unseren Sohn und für uns. 

Beruflich hat er sich vollkommen umorientiert und ist nicht mehr der alte Chaot, den ich damals gesund pflegte. Unter der Woche sehen wir ihn nicht mehr, dafür gehören die Wochenenden nur uns Dreien. Klar vermissen wir ihn, natürlich hätte ich ihn gern bei uns. Jedoch mag ich den neuen Chrizzla jede Woche ein Stückchen mehr, wir rücken jedes Wochenende ein Stückchen näher zusammen.

Ich vermisse das leckere Essen, das er kocht. Aber so hab ich zumindest die Hoffnung, die Schwangerschaftspfunde endlich zu verlieren. Ich vermisse die Millionen Münzen, die immer in der Wohnung verstreut waren. Ich vermisse seine Ausreden, wieso und weshalb er denn wieder mal mit seinen Kollegen picheln musste, die waren nämlich immer ziemlich kreativ und witzig und haben mir immer Material für lustige Geschichten geliefert.

Weniger vermisse ich die ekligen Socken neben der Couch, die Essenreste auf dem Couchtisch und den schnarchenden Chrizzla, der vorm Fernseher eingeschlafen ist und die Katze aus Versehen über Nacht aussperrte.

Diese neue Art von Beziehung hat unsere Partnerschaft definitiv gerettet und ich bin dankbar dafür. Ich bin froh, dass er sich für uns entschieden hat und um mich gekämpft hat, als ich es leid war zu kämpfen.

Es wird sicher wieder eine Zeit kommen, in der wir uns täglich sehen und das wird auch eine ganz neue Erfahrung für uns. Unsere Geschichte liegt schon länger auf meinem Desktop, doch ich brauchte meine Zeit, sie zu veröffentlichen. Wer spricht denn schon öffentlich über seine Probleme? Aber hey, es tut gut – es muss auch mal raus. Ich bin froh, denn mittlerweile habe ich ähnliche Geschichten von anderen Müttern gehört, wir sind also nicht alleine.

Aber nun übe ich mich im Vermissen – denn das ist ein ganz neues Gefühl nach 4 Jahren. 

Eure Milla <3

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10 Comments

  • Reply Miriam 24. September 2017 at 8:57

    Ihr seid ein starkes Paar und ebenso eine starke Familie <3

    • Reply Milla 27. September 2017 at 20:26

      Vielen Dank meine Liebe! <3 Wir geben unser Bestes um das zu bleiben!

  • Reply Katalee501 24. September 2017 at 9:12

    So wahr und herzlich ehrlich! Ich kann dich voll verstehen und mich auch wieder gefunden. Super geschrieben!

    • Reply Milla 27. September 2017 at 20:28

      Vielen lieben Dank liebe Katharina. Ich komme umzugsbedingt jetzt erst zum Antworten, aber ich habe mich über jeden Kommentar gefreut und finde es schön, dass ich nicht ganz alleine dastehe. Auch wenn das jetzt blöd klingt! Halt dich an deiner Liebe fest <3

  • Reply Franziska 24. September 2017 at 12:50

    Danke für deine offenen Worte!!! Euch alles Gute 😙

    • Reply Milla 27. September 2017 at 20:29

      Liebe Franziska, ich komme umzugsbedingt jetzt erst zum Antworten! Danke für die lieben Wünsche, ich denke, es lohnt sich immer, sich an seiner Liebe festzuhalten. Euch auch nur das Beste <3

  • Reply Franzi 24. September 2017 at 15:43

    Die Gründe sind bei uns andere aber wir befinden uns gerade in einer ähnlichen Situation, wie ihr damals. Danke für das erzählen und Mut machen!

    • Reply Milla 27. September 2017 at 20:29

      Liebe Franzi, gebt nich auf. Am Ende lohnt es sich, da gemeinsam durchzugehen. Ich hoffe, ihr findet wieder zueinander und meistert dieses „Familiending“.

  • Reply Jana 25. September 2017 at 22:02

    Ganz toller Post! Wir sind auch immer nur am kämpfen um unsere Ehe und oft sind mir seine „Fehltritte“ mittlerweile schon egal und ich verdreh nur noch die Augen und denke mir: Mach doch was du willst. Schön dass ihr weiterhin versucht eine Familie zu sein.

    • Reply Milla 27. September 2017 at 20:32

      Liebe Jana, wir hatten ja schon mal darüber geredet. Aber es lohnt sich immer zu kämpfen, man hat sich ja doch mal geliebt! Und es darf uns nicht egal sein, denn das ist das schlimmste aller Gefühle. Aber auch ihr werdet das schaffen für euere kleine Maus!

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