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Vorbeugende Maßnahmen gegen wiederholte Infekte im Kindesalter- Tipps einer Kinderärztin

30. Januar 2018

Was kann man gegen gehäufte Infekte im Kindesalter tun?

Ganz ehrlich?

Nicht viel!

Denn die Auseinandersetzung des kindlichen Organismus mit verschiedenen Erregern ist wichtig für den Aufbau eines stabilen und kräftigen Immunsystems. Leider braucht es dafür Zeit (und gute Nerven!).

Ich weiß, dass Ihr genau DAS nicht hören wolltet. Aber leider ist es so. Das Einzige, was Ihr tun könnt, ist: das Immunsystem durch vorbeugende Maßnahme zu unterstützen.

 

Vorsorge:

An die frische Luft gehen (auch bei schlechtem Wetter):

Drei gute Gründe, die dafür sprechen:

  • Sauerstoff tanken:

Der Aufenthalt an der frischen Luft hat gleich mehrere positive Effekte: man bewegt sich, baut Stress ab und versorgt den Körper mit reichlich Sauerstoff. Kaum ist man draußen, wird der Kopf frei und die Stimmungslage (meist bei Eltern UND Kindern) ausgeglichener. Und Spaß bringt es auch noch. Zumindest mit der entsprechenden Kleidung. Und wenn Euch kein entsprechendes „Entertainment-Programm“ für draußen einfällt: meist braucht es nicht viel mehr, als ein paar Pfützen, Bäume zum Klettern oder Wiesen und Felder zum Toben. Lasst Euch einfach von Euren Kindern inspirieren und schaut Euch die Welt durch ihre Augen an. Es lohnt sich.

  • Vitamin D-Produktion anregen:

Neben der Sauerstoffzufuhr tut Ihr Eurem Körper und dem Eures Kindes draußen noch etwas Gutes. Ihr versorgt ihn (zumindest in den Sommermonaten) mit Vitamin D. Leider reicht die Sonneneinstrahlung in unseren Breitengraden in den Wintermonaten nicht aus, um einen ausreichend hohen Vitamin D-Spiegel aufzubauen. Daher ist bei vielen Menschen gerade im Winter der Vitamin D-Spiegel auf einem Niedrigniveau. Da Vitamin D bei der Infektabwehr eine große Rolle spielt, sollte Ihr darauf achten, dass Ihr in den Wintermonaten Vitamin D über die Nahrung  zu Euch nehmt (z.B. Lachs). Ob darüber hinaus noch die Versorgung mit einem Vitamin D-Präparat notwendig ist, solltet Ihr mit Eurem Kinderarzt besprechen.

 

  • Die Bedingungen für Viren erschweren:

Ein weiterer Pluspunkt, der für das Rausgehen spricht ist, dass Ihr den Viren an der frischen Luft die Bedingungen für eine Infektion erschwert. Diese mögen es nämlich viel lieber, wenn die Schleimhäute durch die Heizungsluft schön trocken sind. Draußen erschwert Ihr ihnen also das „Andocken“ an die Schleimhäute und könnt somit einem Infekt vorbeugen. Wichtig ist jedoch, dass Ihr und die Kinder den Witterungsverhältnissen entsprechend gut angezogen seid. Kälte alleine macht zwar nicht krank (es braucht immer einen Erreger!), allerdings schwächt man den Körper, wenn man längere Zeit durchnässt oder ausgekühlt unterwegs ist. Mit der entsprechenden Kleidung macht allerdings jedes Wetter Spaß (oder erleichtert es zumindest). Außerdem kann man die Kinder dank der guten Regenbekleidung, die es mittlerweile gibt, getrost durch Pfützen und Schlammlöcher springen lassen, ohne anschließend an die Berge an Schmutzwäsche denken zu müssen. Denkt bei der Wahl der Kleidung aber nicht nur an die der Kinder, sondern auch an Eure. Denn die Eltern sind meist die ersten, die frieren.

Viel trinken:

Der Körper braucht generell und bei Infekten erst recht, ausreichend Flüssigkeit. Wasser ist als Durststiller wunderbar geeignet und hat gleichzeitig einen spülenden Effekt für die Mundhöhle und den Hals. Gerade in der kalten Jahreszeit haben aber auch Kräutertees eine wohltuende und unterstützende Wirkung. Durch die große Vielfalt an unterschiedlichen Wirkstoffen und Geschmacksrichtungen sollte eigentlich keine Langeweile in der Teekanne aufkommen. Heutzutage kann man auch viele Heilpflanzen in getrockneter Form und in guter Qualität in Apotheken oder Reformhäusern beziehen und sich damit nicht nur einen gesunden, sondern auch wohlschmeckenden Tee zubereiten. Mein Lieblingstee überhaupt war und ist der Tee, den meine Oma immer gekocht hat und der aus getrockneten Kamillen- und Holunderblüten, einigen getrockneten Salbeiblättern und gelegentlich auch Minzblättern bestand und mit Zitronensaft und etwas Honig abgerundet wurde. Aber Achtung: Säuglinge dürfen keinen Honig bekommen! Denn Honig kann bei Kindern unter einem Jahr zu einer lebensbedrohlichen Erkrankung (Säuglingsbotulismus) führen!

 

Wenn Ihr Kinder habt, die nicht so gerne trinken, dann lohnt es sich, in die Optik zu investieren. Ein kleiner Wasserspender, mit dem man sich sein Getränk selber „zapfen“ kann (Bier ist leider nicht geeignet: ist klar, ne?), ein kindgerechter und ansprechender Becher oder ein bunter Strohhalm können wahre Wunder bewirken.

 

Gesunde und ausgewogene Ernährung.

Gemüse und Obst liefern nicht nur viele Ballaststoffe und Vitamine, sondern bringen auch noch etwas Farbe auf den Teller. Gerade die regionalen Gemüsesorten im Winter sind wahre Wunderwaffen. Kohl z.B. ist nicht nur reich an Vitaminen, Ballaststoffen und Spurenelementen, sondern hat durch die darin enthaltenen Glukosinolate auch eine antibiotische Wirkung. Und die wohltuende Wirkung eines leckeren Eintopfes kennen wir doch alle.

Wenn Ihr zu Hause einen kleine Obst- oder Gemüsemuffel habt, dann könnt ihr versuchen, das Gemüse z.B. in pürierten Suppen oder Obst in Smoothies zu „verstecken“. Auch ein schön angerichteter Obstteller kann einladender sein, als der Anblick einer ganzen Frucht. Die anziehende Wirkung von mundgerecht präsentierten Obststücken ist uns schließlich allen bewusst.

 

Ausreichend Schlaf:

Das natürliche Tageslicht ist für unseren Tag-Nacht-Rhythmus besonders wichtig. Durch die vielen künstlichen Lichtquellen, die es mittlerweile gibt, kann der Tag-Nacht-Rhythmus empfindlich gestört werden und in der Folge zu einer Stressreaktion des Körpers führen. Eine gute und ausreichende „Schlafhygiene“ ist daher für unser Wohlbefinden und somit auch für das Immunsystem von großer Bedeutung. Schlafrituale (gleiche Zeit, gleicher Ort, gleicher und ruhiger Ablauf) sind wichtige Faktoren für einen gesunden Schlaf (nicht nur bei Kindern).

 

Impfschutz:

Ein ausreichender und kompletter Impfschutz ist als Vorsorge ebenfalls wichtig. Ob eine vorbeugende Grippeschutzimpfung für Euer Kind sinnvoll ist, kann und sollte der behandelnde Kinder- und Jugendarzt beurteilen.

 

Verzicht auf das Rauchen:

Das Passiv-Rauchen ist leider ein immer noch sehr häufiger Grund für wiederkehrende Atemwegsinfektionen im Kindesalter und begünstigt nicht nur das Auftreten von Infekten sondern auch von Allergien, Bronchitiden und anderen Erkrankungen. Und auch wenn die Eltern zum Rauchen vor die Tür gehen, so beugen sie damit nicht allen Gefahren des Passiv-Rauchens vor. An den Haaren oder in der Kleidung werden Nikotinpartikel in die Wohnung gebracht, die auf Teppichen, Spielsachen oder Bettzeug noch monatelang haften können. Der Nikotingehalt im Körper von Kindern, deren Eltern vor der Tür rauchen ist zwar achtmal niedriger als bei Kindern, deren Eltern in der Wohnung rauchen. Er ist aber immer noch bis zu siebenmal höher als bei Kindern von Nicht-Rauchern.

 

Was ihr tun könnt, wenn es bereits zum Auftreten erster Infektzeichen gekommen ist, könnt ihr auf meinem Blog lesen.

 

Bleibt gesund und munter und kommt gut durch die infektträchtige Zeit

Eure

Snježi, die-kinderherztin

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1 Comment

  • Reply Yoshi 31. Januar 2018 at 23:47

    Das ist wirklich richtig gut zusammengefasst. Meine sind im Waldkindergarten. Und ich schimpfe wirklich oft insgeheim über die Matschbrocken im Eingang, das dreckige Auto. Aber ich muss sagen: 2017 war mit lediglich 1 grippalen Infekt für einen 3/4 jährigen echt krankheitsarm. Auch die anderen Punkte sind toll, alles ausprobiert. Nur bei Vitamin D hapert es. Fisch schwimmt hier höchstens mal in Form von panieren Rechteckchen vorbei! 😆

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