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Sternenkind Emilia

23. März 2017

Zu früh geboren, um überleben zu können: Emilia – unser Sternenkind.

Warum, Wieso… tausende Fragen, doch niemals werde ich eine Antwort kriegen!
Ich bin Mutter von drei Kindern. Zwei Söhne, sieben und zweieinhalb Jahre alt und meine Tochter Emilia, die Anfang Februar 2016 als Sternenkind geboren wurde.

Wir erfuhren Ende Oktober 2015 das wir unser drittes Wunder erwarten würden.
Wir freuten uns sehr und diesmal sollte alles anders werden.

Da unser zweiter Sohn in der 25. Schwangerschaftswoche mit einem zarten Gewicht von 740 g und 32 cm wegen einer Infektion und einem Fruchtblasenprolaps zu früh auf die Welt kam, wollten wir in der dritten Schwangerschaft mit der Cerclage-Op (Muttermundschließung) unser Baby schützen, um eine erneute Frühgeburt zu verhindern. Dabei wird der Muttermund durch eine Operation mit einer Naht verschlossen.

Ich entschied mich, den Eingriff durchführen zu lassen. Da war ich in der 16. Schwangerschaftswoche.
Es war ein Routineeingriff, der nur eine halbe Stunde dauerte.
Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, wie schnell sich das Leben wenden würde…

Vor der Operation betete ich für unseren dritten Sohn und blieb tapfer. Die Operation verlief auch gut, die Ärzte waren zufrieden. Nach der Operation wurde ich zurück ins Zimmer gefahren und kämpfte Stunden nach der Op mit starken und unerklärlichen Schmerzen. Keine Schwester nahm sich irgendwie richtig Zeit, keine Untersuchung! Erst nach mehreren Stunden ließ die Teilnarkose nach und ich spürte meine Beine wieder, und so wurden auch die Schmerzen stärker. Erst kurz vor Mitternacht hatte eine Ärztin Zeit und untersuchte mich… es stellte sich heraus, dass die Blase so extrem voll war und der Druck daher kam, weil kein Katheter gelegt wurde.

Am nächsten Morgen hatte ich rosa Schmierblutungen.
Ich wurde von Keinem ernst genommen und wieder wurde ich nicht untersucht.

Zwei Tage lang große Sorgen und keine Untersuchung. Mittwoch dann die Chefarztvisite. Ich erzählte dem Arzt, wie es mir ging und sofort wurde ich ins nächste Untersuchungszimmer gebracht. Und dann bestätigte sich der Verdacht des Arztes. Die Fruchtblase hatte einen Riss. Ich war doch erst in der 17. SSW… ich weinte und weinte. Während der Untersuchung erzählte mir die Ärztin wie groß die Prinzessin sei und das es ihr trotz dem Riss und des Fruchtwasserabgangs gut ginge. Prinzessin? Es war also ein kleines Mäuschen. Aus unserem Julien wurde Emilia! Mein Partner und ich haben geweint und geweint. Wir konnten es einfach nicht glauben.

Die nächsten Tage waren noch schlimmer, wie eine richtige Achterbahnfahrt.
Bei jeder Untersuchung wurde etwas anderes festgestellt und wir bekamen andere Informationen.

Ich hatte strikte Bettruhe und kämpfte für mein Mäuschen. Ihr ging es gut, sie entwickelte sich weiterhin super und war jedes mal super aktiv. Doch dann kam immer wieder die Frage, ob wir nicht einfach den Kampf endlich aufgeben möchten?
Wie sollte ich mein Kind aufgeben, wieso sollte ich aufhören zu kämpfen… ihr geht es doch gut! Ich werde es mindestens bis zur 25 SSW schaffen, war meine Hoffnung. Dieser Gedanke ohne Grund mein eigenes Kind im Bauch aufzugeben, das konnte ich nicht, obwohl keine Hoffnung auf ein gesundes Kind bestand.
14 Tage später – am 01.02.2016 dann die große Arztvisite. Nicht ein Arzt, nicht zwei – auch nicht drei…ich ahnte, was kommen würde. Mein Herz – es piekste, schmerzte, und fühlte nichts mehr. Keine Worte hatte ich mehr, obwohl ich 14 Tage mit diesen Gedanken im Krankenhaus leben musste. Ich lag weinend mit Schmerzen im Bett… und hörte es mir an.

Ich hörte nur noch: „Einleitung – Heute-Tabletten – Entzündungswert gestiegen -Lebensgefahr – zwei Kinder.“

Ich lag in Lebensgefahr und Emilia musste zur Welt kommen, mein Körper hatte den Kampf aufgegeben… meine Entzündungswerte stiegen weiter, immer weiter, trotz aller Antibiotika waren sie hoch.
Ich weinte und weinte… ich schrieb sofort meiner Sternenkindfotografin, dass doch der Tag gekommen sei, den ich nie gewollt hätte. Ich machte mich für Emilia fertig, es war komisch aufzustehen, zu duschen, zu gehen… ich sollte die Wehen anregen.
Zwei Tabletten bekam ich. Gegen 21 Uhr ging es mit den Wehen los, ich wurde in den Kreißsaal gebracht. Um 21.38 kam Emilia mit der halben Fruchblase raus. Es war so traurig und doch so schön. Bis 22.06 Uhr hatte ich keine einzige Wehe mehr. Und dann mit der ersten Wehe presste ich, und Emilia kam in komplett intakter Fruchtblase zur Welt. Der Arzt wollte die Blase aufplatzen, doch die Hebamme wollte Emilia noch kurz drin lassen. Wir streichelten ihre Schulter, sie zuckte noch kurz mit den Schultern. Sie war so klein und doch so perfekt.
Dieser Moment – er war magisch und bleibt für immer unvergessen.
Danach ließen wir von der Hebamme die Blase platzen und der Papa durchtrennte die Nabelschnur. Emilia wurde mir sofort auf die Brust gelegt. Zarte 22 cm groß und ein Gewicht von 200 g.
Ihr Schlafkörbchen hatte die Hebamme ganz liebevoll fertig gemacht. Meine Freundin nähte noch Tage zuvor ein Schlafdeckchen. Es war alles so schön für die schönste Maus.
Obwohl sie zu früh kam, fanden wir die Ähnlichkeit zu ihren Brüdern verblüffend. Sie war so wunderschön und schon so perfekt.

Ihre Haut war ganz kalt und noch Stunden später hat man ihr Herz schlagen sehen, auch wenn sie nicht mehr lebte.
Die Haut war noch ganz dünn und doch war alles dran und perfekt.

Wir kuschelten die ganze Nacht, Emilia lag zwischen uns in ihrem Körbchen, in ihrem Deckchen, unter unserer Decke.
Die nächsten drei Tage verbrachte Emilia bei mir auf dem Zimmer ab und zu habe ich sie zum kühlen hochgebracht, weil die Haut so schnell trocknete. Sie war einfach so wunderschön.
In der Zeit ohne Emilia, mussten wir uns um die Beerdigung kümmern: einen Bestatter finden, ihren Sarg aussuchen und auch klären, wo sie bestattet wird.
Es war so schlimm und immer wieder zerbrach mir bei den Gedanken mein Herz.
Drei Tage nach der Geburt durfte ich nach Hause – alleine! Emilia blieb im Krankenhaus. Es war so komisch, das Krankenhaus ohne Baby zu verlassen. Zwei Tage später wurde Emilia vom Bestattungsinstitut abgeholt, die Tage rief ich mehrmals an und fragte nach ihr. Es klingt verrückt – doch ich wollte wissen ob es ihr gut ging.

Am 10.02.2016 war dann der Tag gekommen, der traurigste Tag: die Beerdigung.

Der Tag an den wir unseren Engel zu den Sternen schicken mussten. Nun ist es 1 Jahr und 1 Monat her. Kein Tag vergeht, an dem ich nicht an unser Engel denke! Du bleibst für immer Unvergessen!
Du hast mit deinen kleinen Füßchen große Spuren hinterlassen, ich liebe Dich!
Deine Mama Nadine!

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8 Comments

  • Reply leas_mama_30 23. März 2017 at 16:33

    Die Tränen liefen nur so beim lesen.
    Liebe Nadine,ich wünsche dir und deiner Familie für die Zukunft alles Gute. Eure kleine Emilia passt von den Sternen aus auf euch auf. Sie ist immer bei euch. Ich drücke dich unbekannterweise von Herzen ❤

  • Reply Dagmar 23. März 2017 at 21:32

    Liebe Nadine,
    ja,auch meine Tränen liefen in Strömen beim lesen. Ich habe selbst zwei Jungs (30ssw und 32ssw) und leider auch mehr als eine Fehlgeburt erlebt. Zwei davon, vor der Geburt meines zweiten Sohnes! Daher kann ich Deine Sorgen in der Schwangerschaft gut nachvollziehen!
    Ich wünsche Dir alles Glück der Erde und viel Spaß mit den Jungs!💜

  • Reply Nicole 24. März 2017 at 22:01

    Liebe Nadine,
    auch ich habe deinen Text unter Tränen gelesen.
    Alleine der Gedanke daran, so etwas durch machen zu müssen, zerreißt mir das Herz.
    Meine kleine ist jetzt ein Jahr und die Angst, dass ihr was passieren könnte ist immer gegenwärtig.
    Ich kann nur erahnen wie tief der Schmerz sitzt und wie groß er gewesen sein muss und auch heute noch ist.
    Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft, aber auch viel Spaß mit deinen beiden Jungs.

    Ganz liebe grüße Nicole

  • Reply Eileen 28. April 2017 at 21:14

    Liebe Nadine,ich konnte einfach nicht aufhören zu weinen.Das ist so traurig und so unfaire.Sowas hat niemand verdient.Es muss so schmerzlich für euch sein.Ich wünsche dir für deine jetzige Schwangerschaft das aller beste.Du hast es verdient.Die kleine Emilia hat euch einen neuen Engel geschickt❤️

  • Reply Shpresa 2. Mai 2017 at 18:15

    Liebe Nadine
    Du hast es so schön geschrieben, es tut mir leid das du deine Emilia verloren hast! Desto mehr freue ich mich mit euch das ihr euered 4 Wunder erlebt! Wie geht es dir dabei? Hast du Ängste? Wir haben letzten August unseren Levin in der 37 SSW verloren! Und habe noch grossem Respekt vor einer neuen SS! Hast du tipps für mich? Freundliche Grüsse aus der Schweiz

  • Reply Lancia Joyce 28. Oktober 2017 at 13:45

    Liebe Nadine,
    Du bist eine sehr starke und mutige Frau. Wie bei dir war meine Erlebnisse von Arran Noel
    Sehr ähnlich. Gott gab und mein Schatz schenkte mir noch ein Rainbow Greyson Tyler Arran (Arran, wie sein Bruder) und das machte mich zum glücklichsten Mami von 4 lebenden und 3 😇. Das komische daran ist das die meisten die es nicht verstehen, sagen „ du hast schon welche, also sei doch zufrieden !“ Emilia wird immer ein Teil von dir sein und das ist alles was zählt. Alles liebe für dich und deine Familie. Ljh aus Austria 🇦🇹

  • Reply Melanie Rose 8. Dezember 2017 at 14:14

    Liebe Nadine,so traurig und trotzdem so schön geschrieben. Mir laufen immer noch die Tränen. Würde so gern soviel schreiben, aber ich weiß wie ihr euch gefühlt habt bzw fühlt. 2015 hatte ich eine Fehlgeburt,2016 Schwanger aber mit strikter Bettruhe wegen Blutungen unser Prinz kam im September auf die Welt und zur Zeit Schwanger mit Zwillingen, wo die Schwangerschaft auch nur mit Blutungen angefangen hat und nun ist es bald soweit, dann werden sie geholt.

  • Reply Mes_ella.de 30. Januar 2018 at 20:46

    Hallo meine Liebe du bist echt eine starke Frau ich ich auch meine Tochter hat ihn 25 Wochen geboren und hat ganz Jahre im Krankenhaus die bleibt und ja und sie ist jetzt schon zu Hause und sie ist jetzt genau 3 Monate alt ist schwer☹☹☹☹☹

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