#schwangerschaft #sternenkinder

Sternenkinder Konstantin und Vincent

14. September 2017

2014 sollte das perfekte Jahr für unsere Familie werden, aber es kam alles anders und schlimmer als wir es uns auch nur vorstellen mochten. In der 22. SSW stellte man bei unserem Baby keinen Herzschlag mehr fest und es traf uns so unvorbereitet, wie einen so etwas nur treffen kann.

Ich ging zum Arzt, weil ich den Tag zuvor so wenig Kindsbewegungen verspürt hatte. Nach einer unruhigen Nacht und dem Gefühl, dass die Bewegungen am Morgen gänzlich aufgehört hatten, rief ich bei meiner Ärztin an und bat darum, vorbeikommen zu dürfen. Man war sehr verständnisvoll und so bekam ich gegen Abend noch einen Termin, allerdings bei der Kollegin, da meine Ärztin schon ausgebucht war. Mein Mann und meine Tochter begleiteten mich dorthin.

Voller Sorge berichtete ich der Ärztin von den fehlenden Bewegungen und dem unguten Gefühl. Sie war recht unfreundlich und wirkte von mir genervt, tat meine Sorgen mit einem Handwink ab und sagte, dass ich froh sein sollte, überhaupt schon etwas zu spüren. Viele Frauen hätten erst ab dieser Schwangerschaftswoche leichte Bewegungen verspürt.

Ich war etwas perplex und erklärte ihr noch einmal die Situation. Ich sagte ihr, dass ich seit der 18. Woche Kindsbewegungen spüre und dass diese nun plötzlich weg waren und sie solle doch bitte so freundlich sein und nachsehen, wie es dem Baby gehe.

Die Vertretungsärztin erbarmte sich schließlich und machte einen Ultraschall, damit ich feststellen konnte, „dass alle Pferde umsonst scheu gemacht wurden.“ Und dann sah ich mein Baby und konnte es nicht finden, das kleine puckernde Herz.

Auch die Ärztin suchte und suchte. Sie ging und holte meine Ärztin und auch sie fuhr mit dem Schallkopf über meinen Bauch. Hin und her. Doch sie fand nichts.

Dann sagte sie die Worte, die ich nie mehr vergessen werde. Worte, die mir den Boden unter den Füßen wegzogen. „Es tut mit leid, ihr Baby ist tot. Ich finde keinen Herzschlag mehr.“

Sie ließ meinen Mann und meine Tochter ins Zimmer holen und erzählte uns tausend Dinge, die wir nun zu erledigen hätten. Fragte, in welches Krankenhaus wir wollten und all diese Dinge.

Doch ich wollte nur eins: raus aus diesem Alptraum. Endlich aufwachen.

Ich war völlig überfordert und das erste, was mir in den Sinn kam, war eine Bekannte (mittlerweile eine gute Freundin) anzurufen. Sie hatte selbst ein Sternenkind,  konnte also nachempfinden was ich durchmachte. Sie beruhigte mich, gab mir Kraft, sprach mir Mut zu. Klärte mich auf, dass ich noch nicht ins Krankenhaus müsste und gab mir Tipps,  z.B. einen Fotoapparat, etwas für das Baby und vielleicht etwas von meiner Tochter für mich mitzunehmen. Sie war mein Anker an diesem Abend. Ich glaube ohne sie wäre ich komplett durchgedreht.

Dann organisierten wir alles für das Krankenhaus, sowie einen Babysitter für Isi und fuhren los. Meine Hebamme hatte dort schon angerufen und man erwartete uns bereits.

Zur Geburtseinleitung wurden mir Tabletten gegeben, die ich schon von Isis Geburt kannte. So wusste ich auch, dass es wahrscheinlich dauern würde, bis die Wehen anfingen.

Mein Mann blieb die ganze Zeit bei mir. Wir weinten, wir lachten. Erzählten uns Geschichten von Isi, schauten Videos und Fotos an. Wir gingen spazieren und kauften ihr im Bücherladen ein Geschenk, ein kleines Holzauto. In diesem Laden kaufte ich auch ein kleines Glasherz für unser Baby. Ich hatte es gesehen und mich direkt verliebt.

Als zwei Tage später, am Samstag die Wehen losgingen, zogen wir in den Kreissaal um. Die Hebamme hatte den Raum mit roten Vorhängen abgedunkelt und eine Kerze aufgestellt. Auch ein kleines Weidenkörbchen stand bereit. Sie war sehr liebevoll und mitfühlend.

Und dann war es soweit: unser Sohn wurde geboren. Er hatte einen Knoten in der Nabelschnur und diese auch mehrfach um den Hals gewickelt. Ob es jedoch die Todesursache war, konnte man uns nicht genau sagen.

Die Hebamme nahm Konstantin mit zum Waschen und machte einen Hand- und Fußabdruck.
Sie legte ihn in Isis Mulltuch und dann in sein Weidenkörbchen. Wir hielten ihn und streichelten seine weiche Haut.

So still er auch war – Er war perfekt! Sah aus wie seine Schwester, nur noch winziger. Er hatte dieselbe wunderschöne Stupsnase. Wir weinten kurz, dann schauten wir ihn nur noch an. Alles was ich empfand war große Liebe. Der Schmerz war kurzzeitig vergessen.

Die Wochen nach der Geburt waren furchtbar. Mein Mann ging nach zwei Wochen wieder arbeiten und ich war mit unserer Tochter alleine. Ich fühlte mich kaum im Stande etwas zu tun und doch musste ich mich für das kleine Wesen durchbeißen. Und irgendwie schaffte ich es.

Vier Monate später war ich wieder schwanger, aber auch unser Folgewunder sollte nicht bei uns bleiben. In der 19. Woche fand meine Hebamme kaum Herztöne. Nur ganz selten konnten wir das zarte Puckern hören.

Wir dachten es läge an dem mobilen Gerät und machten uns erstmal keine großen Sorgen. Da sie aber meine Geschichte kannte und nicht wollte, dass ich mich verunsichert fühle, fuhren wir zu meinem neuen Arzt. Er war sehr verständnisvoll und machte sofort einen Ultraschall.

Und da war ich, wieder mit demselben Bild. Wieder war kein Herzschlag zu finden. Wieder liefen mir die Tränen über die Wange. Entsetzen im Gesicht meines Arztes, Tränen bei meiner Hebamme.

Dann wieder die Worte „Das Baby ist tot.“ Wieder ins Krankenhaus zur Geburtseinleitung. Es war als wären wir in einer Zeitschleife gefangen, in einem nicht enden wollenden Alptraum.

Im Krankenhaus war diesmal alles anders, denn vor der 20. SSW zählt ein solcher Fall nicht als Totgeburt, sondern „nur“ als Abort, der eine Einleitung eigentlich nicht nötig macht. Eigentlich kommt man nicht auf die Geburtsstation. Eigentlich… Erst als mein Mann etwas Druck machte und sich eine Hebamme an uns und an Konstantins Geburt erinnerte, wurden wir besser behandelt.

Die Geburt wurde wieder eingeleitet, wieder mit Tabletten und wieder war es ein Samstag als ich mein Baby gebar. Meine Hebamme war extra gekommen um uns zu begleiten.

Vincent hatte eine starke Nabelschnurumschlingung um sein Bein. So stark, dass es bis auf den Knochen abgeschnürt hatte und auch die Nabelschnur ganz verkümmert war. Er war nicht zeitgerecht entwickelt, ganz dünn und viel kleiner als er hätte sein müssen.

Vincent sah ein bisschen aus wie eine Mischung aus Vogel- und Alienbaby, aber gar nicht im gruseligen Sinn, sondern eher auf faszinierende Art und Weise. Ganz anders als Konstantin, aber überhaupt nicht schlimm.

Und nun habe ich drei Kinder, alle an einem Samstag geboren, aber nur eines lebt bei mir.

Ich habe lange gebraucht, um diese beiden Schicksalsschläge zu verarbeiten. Durch die Trauer um Vincent habe ich erst einmal gemerkt, dass ich die Trauer um Konstantin noch gar nicht verpackt hatte. Ich hatte jetzt doppelt Arbeit und es war hart. Ein langer harter Weg.

Ich habe mir Hilfe gesucht und bin auch nach wie vor in therapeutischer Behandlung. Aber jetzt, fast drei Jahre nach Konstantins Geburt und etwas mehr als zwei Jahre nach Vincents, bin ich wieder richtig glücklich. Ich habe die Trauer besiegt und bin stolz darauf, was ich geschafft habe.

Und ich habe eine Entscheidung getroffen: Ich bekomme kein weiteres Kind mehr, da keine Ursache gefunden werden konnte und eine erneute Schwangerschaft medizinisch nicht unterstützt werden würde. Vielleicht würde ja auch alles gut gehen, gut möglich. Aber dazu fehlt mir der Mut.

Ich muss an mich und meine Familie denken. Wieviel könnten wir noch verkraften? Der Preis ist zu hoch, falls doch etwas schief gehen sollte. Zwei Glasherzen reichen mir! Anfangs hatte ich mit dieser Entscheidung hart zu kämpfen, weil ich ja unbedingt noch ein Baby haben wollte, aber mittlerweile bin ich damit im Reinen. Es ist ok so. Für uns soll es so sein.

Und wir haben Isi, das wundervollste Mädchen, das ich mir nur wünschen könnte – unser größtes Geschenk!

Laerwoood

You Might Also Like

2 Comments

  • Reply BunteBlume 14. September 2017 at 20:35

    Danke für diesen Beitrag. ❤

    • Reply Nadja 21. September 2017 at 9:49

      Nichts zu danken ♥

    Leave a Reply