#fürmehrrealität

Von schnellen Eingewöhnungen, Freizeit, Me-time und anderen Märchen

4. Juni 2017

Da ich heute schon wieder ca. 32 von 24 h frei hatte, sitze ich nun pünktlich zur Primetime hier um euch einen kleinen Einblick in unsere Eingewöhnungszeit zu geben. Eigentlich sollte ich mir in diesem Moment genüsslich die Hornhaut von den Füßen raspeln, denn genau wie jedes Jahr das Weihnachtsfest kommt der Sommer genauso überraschend daher. Das konnte doch wirklich niemand ahnen und der Terminkalender hat uns ebenfalls nicht daran erinnert.

Genau an dieser Stelle kann ich eigentlich auch schon prima ins eigentliche Thema einsteigen.

„Endlich Eingewöhnung, endlich mehr Zeit für mich! Einfach mal die Seele baumeln lassen und an nichts denken. Füße hoch, Augen zu, Handy aus.“

Und während einige von euch noch fest daran glauben, dass es tatsächlich so abläuft, sitzen alle anderen da und lachen sich voller Schadenfreude ins Fäustchen. Nun denn, ich gebe mein Kind also in der Krippe ab während die Sonne sich richtig Mühe gibt und meine Haut fast schon Blasen schlagen lässt. Nur noch ein kurzer Austausch mit der Erzieherin und dann kann ich auch sicher schon gleich einige Stunden richtig sinnfreien Beschäftigungen nachgehen. Und dann das: „Frau S. wir bräuchten für Nolan noch kurze Wechselwäsche!“ SHIT! Da war ja was! Meine Antwort: „Ah natürlich, ich bringe später ein paar Sachen mit!“ Genau, die ganzen vielen Sommersachen in Form von zwei zu knapp gewordenen Presswurstshorts vom letzten Strandurlaub und einem Sommerhut, der nun gefühlt Puppengröße hat. Was also tun? Du kannst natürlich die Schere zücken und Pimp-my-Kleiderschrankinhalt spielen oder du quälst dich bei gefühlten 42 °C in die von Baustellen übersähte City und kaufst deinem Sohn verdammt noch mal Sommersachen. Gesagt, getan. Und weil ich mir fest vorgenommen habe, seine kurzen Hosen selber zu nähen setze ich mich also die restliche Zeit an die Nähmaschine und nähe. Hose um Hose um Hose. Nähe, als würde es um Leben oder Tod gehen. Was zum Teufel habe ich mir nur dabei gedacht?! #nähenistwiezaubernkönnen. Nein!! Jetzt gerade ist es das nicht!! Nähen stinkt total ab! Wie kann man damit nur sein Geld verdienen?!

Ja, so läuft es also.

Jedes mal wenn du dein Kind abgegeben hast und dir denkst: „Discopogo, dingelingeling!“ erwartet dich dein Karma bereits auf dem Parkplatz um dich mal wieder zu f****n.

Für genügend Abwechslung im Programm ist natürlich auch gesorgt. Wenn du nicht gerade Hosen nähst, sitzt du mit dem kranken Kind beim Arzt. Fieber, Husten, Rotznase, Dünnpfiff, Hand-Mund-Fuß sowie Bindehautentzündung gab es bisher im Sortiment. Somit werden aus einer Woche Eingwöhungszeit ruckzuck mal drei oder sogar nur zwei Tage. Und wenn’s nicht gerade den Spross trifft, dann trifft es dich. So schleppe ich mich also mit Halsweh zum Fitnesstudio, weil wegen Afterbabybody und so. Dort habe ich mich natürlich vor der Eingewöhnung angemeldet um die nicht enden wollende Freizeit sinnvoll zu nutzen. Sinnvoller könnte ich diese allerdings Zuhause zwischen den Wäschetürmen verbringen. Ihr denkt euer Kind produziert viel Schmutzwäsche?! Dann schickt es mal in die Krippe. Nolan muss seine krippenfreie Zeit ab sofort nackt verbringen.

Zusätzlich möchte noch der berufliche Wiedereinstieg geplant werden. Nach knappen zwei Jahren Eierschaukelns auch eine leicht aufregende Nummer. Neuer Chef, neues Team, neues Glück. Und nachdem ich mich erfolglos damit beschäftigt habe wie man es schaffen könnte sein Kind pünktlich in die Krippe und den eigenen Arsch pünktlich auf die Arbeit zu verfrachten, fällt mir auf was für ein Weichei ich doch geworden bin. Das „frühe“ Aufstehen macht mich ja jetzt schon total fertig.

Vorher um 23:00 Uhr noch auf dem Laufband rumgeturnt und nun werden um 21:00 die Bordsteine in Muttihausen hochgeklappt.

Wahre Luxusprobleme.

Um den Wurm zu fangen falle ich nun morgens pünktlich zum ersten Vogelzwitschern aus dem Bett in die Dusche und aus der Dusche in die Küche um die Brotdose vorzubereiten. Der Inhalt bewegt sich zwischen „Ich möchte, dass mein Kind sich gesund ernährt und die Erzieher nicht lästern“ und „Ich bin viel zu müde und die Zeit wird knapp“. Anschließend möchte Nolan sanft geweckt werden, alles außerhalb von „sanft“ wird mit mieser Laune beantwortet. Ganz der #loml eben. Kind in Sonnencreme getaucht, in ein vorzeigbares #ootd gesteckt, Rucksack gepackt und losgebraust.

Während der #miniloml also den Bildungs- und Erziehungsauftrag sabotiert, lauerst du in der Anfangszeit wie ein Perverser im Auto vor der KiTa.

Einige Tage später kann man seinen Bewegungsradius dann schon etwas erweitern. Mit dem Hintergrundwissen, dass ich schon bald meinen Beruf in Vollzeit wieder aufnehme und keine Zeit mehr haben werde um mich auch nur hinter dem Ohr zu kratzen,  organisiere, plane und erledige ich also alles was gefühlt seit der Geburt Christi liegen geblieben ist. Also rennst du wie ein frisch geschlachetes, kopfloses Huhn vom Frauenarzt  zum Zahnarzt dann weiter zum Finanzamt und anschließend noch in den Supermarkt. Die Wohnung wird grundgereinigt, das Auto verkauft, ein Neues organisiert, sämtliche Baby- und Schwangerschaftsalben nachträglich ausgefüllt, Fotobücher gestaltet und der Weltfrieden wieder hergestellt. Nicht zu vergessen natürlich der erste Geburtstag, der geplant werden möchte! Als Belohnung ruft Nolans Erzieherin verfrüht an: „Frau S. bitte nicht erschrecken, Nolan is munter und spielt, hat aber Fieber.“ Mittlerweile für mich wirklich kein Grund mehr um Panik zu schieben. Natürlich fängt das Mutterhirn trotzdem an zu rattern. Was ist es diesmal? Dreitagefieber, Pest, Cholera oder doch noch etwas anderes?

So sitze ich also Freitags Nachmittag mit meinem fiebernden Kind Zuhause und bete, dass aus dem Drei- kein Fünftagefieber damit Nolan die kommende Woche wenigstens noch einen Tag in die Krippe kann, denn es sind ja schon wieder Feiertage!

Deine Umwelt ist natürlich total verwundert darüber, warum man denn eigentlich so gestresst und kaum zu erreichen ist.

Das Kind ist ja schließlich betreut und die Mama somit arbeitslos. FALSCH!

Das  mit dem nicht erreichbar sein setzt sich natürlich fort sobald Nolan wieder zuhause ist, denn dann bin ich damit beschäftigt ihn die ganze Zeit zu beobachten und seine neu erlernten Bewegungen und Töne zu bestaunen. Es kommt tatsächlich fast jeden Tag etwas Neues dazu. Und genau dann, wenn man als Mutter vor Stolz über den Spross fast schon platzt weiß ich, dass wir alles genau richtig machen.

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