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Vorstellung vs. Realität – Pressen mit Stil vs. Bad Taste Party

26. März 2017

So, ihr lieben angehenden und fortgeschrittenen Milfs und Dilfs. Und auch alle anderen, die am heutigen Sonntag auf unserem Blog hängengeblieben sind. Heute möchte ich mich dem Thema der Geburtsvorbereitung widmen. Und ZACK schnellen eure imaginären Meldefinger streberhaft nach oben. „Erst in die Klinik fahren, wenn der Wehenabstand 5 Minuten berägt!“; „Laufen unterstützt den Geburtsprozess!“; „Die richtige Atemtechnik ist sehr wichtig!“…ja genau. Man,  ihr habt ja im Geburtsvorbereitungskurs tatsächlich alle aufgepasst. „Irgendwas mit 10 Zentimetern…!?“, „Das Runde muss durch’s Eckige!“….eeehm ok, zumindest der größte Teil von euch. Jetzt habt ihr euch alle einen Keks verdient und dürft aufhören um euer Leben zu schnippen.

Ein weiterer Teil der Geburtsvorbereitung ist das allseits beliebte Packen des Klinikkoffers. Und weil der Teil fast schon mit einer der spaßigsten ist, standen viele von uns ab der 28 Schwangerschaftswoche mit ihrem fertiggepackten und aus allen Nähten platzenden Klinikkoffer im fertig eingerichteten Babyzimmer. Man kann schließlich nie vorbereitet genug sein.

Aber was ist in so einem Klinikkoffer eigentlich alles drin?

Ja, auch das lernt man alles im GVK. Da wären also 6 bis 10 komplette Outfits. Jeweils ein frisches für tags- und nachtsüber. Für die Geburt selbst am besten ein langes Hemd zum Knöpfen. Frische Handtücher, jeweils eins für einen Tag. Unterwäsche, ausschließlich weiß. Still-BHs, natürlich 2-3 Körbchengrößen größer. Für die Monsterstillhupen. Hausschuhe mit Riemchen (aus Versicherungsgründen). Fotoapparat. Ladegeräte. Kosmetikbeutel, so ca. 4 kg schwer (ganz wichtig natürlich der Labello, gegen die trockenen Lippen bei der Geburt (ihr Schweine)). Extra weiches und feuchtes Klopapier. Zusätzlich noch die Grundausstattung für den #loml (Zahnbürste, Deo, Socken, Playstation). Außerdem noch Snacks, für genügend Kraft während der Geburt. Das Stillkissen, weil sicher ist sicher. Das Baby möchte zudem nur ungern nackt die Klinik verlassen. Also sind zwei Outfits nötig. Eins für den Fall: Klopskind. Der andere Fall: zarte Elfe. Spucktücher, die gehen immer. Und da man sich ja langweilen könnte während das Baby schläft am besten auch noch ein Buch oder gleich zwei. Da kann man nur froh sein, dass die Kliniken keine Gebühr für Übergepäck erheben.

Mit seiner Einkaufsliste ausgestattet stürmt man also ins nächste Shoppingcenter um nach DEM Pressoutfit zu suchen. Kurze Zeit später landet das It-Piece auch schon in der Einkaufstasche.

Ein stylishes, langes Kariertes Nachthemd. Zusätzlich noch ein paar weitere süße und bequeme Outfits. Man möchte ja schließlich als frischgebackene Mama trotzdem noch ansprechend aussehen. Anschließend schnell den nächsten Drogeriemarkt halb leer gekauft. Deo, Duschgel und und weitere Hygieneartikel (you know what I mean). Zusätzlich noch ein Vermögen im Wert eines kleinen Gebrauchtwagens in Makeup investiert. Vom Shoppen für’s Baby brauchen wir hier erst garnicht anzufangen. So sitzt man dann also Daheim mit seinem fertiggepackten Koffer als stünde man davor einen Kurzurlaub anzutreten. Man malt sich aus wie man in seinem trendy Nachthemd, wohlriechend und gestylt sein kleines, perfektes Wunder zur Welt bringt. Zwischendurch natürlich Traubenzucker und Apfelsaft in sich hineinkippt und seine Lippen mit dem extra angeschleppten Labello befeuchtet. Der Partner hat die Kamera dabei und macht währenddessen lustige Bilder für das erste Familienalbum. Die Tage darauf schlüpft man in in alle weiteren Outfits und präsentiert voller Stolz, frisch geduscht und zurechtgemacht sein Baby. Und während es schläft hat man natürlich genügend Zeit zum Lesen. Ein Buch sollte ja mindestens drin sein.

Nachdem ich nun vor guten zehn Monaten eben jenes durchlebt habe kann ich euch nun sagen was ich von all dem am dringendsten gebraucht habe: die extragroße Pralinenschachtel, die mir ein Freund als Geschenk mit in die Klinik gebracht hat. Die war nämlich leer, innerhalb von zwei Stunden. Nein, ich habe nicht mit anderen geteilt.

Und nun weiter zu dem Teil, der sich Realität nennt. Wir fahren in die Klinik nachdem die Fruchtblase geplatzt ist. Vor lauter Aufregung ziehe ich irgendwas an, es ist nämlich keine Zeit dafür sich DAS Outfit zusammenzustellen. Zudem habe ich sowieso ein 90er Jahre Badehandtuch zwischen den Beinen klemmen. Wunderhübsch! In der Klinik dann schnell umziehen da alles durchnässt ist vom Fruchtwasser. Da alles schnell gehen muss, ziehe ich schon wieder willkürlich irgendwas aus dem Koffer was nach einer Hose aussieht. Jackpot! Die schwarz-weiß gemusterte Leggings. So liege ich also beim CTG. Blau-weiß gestreiftes Oberteil darunter ein grünes Top, schwarz-weiß gemusterte Leggings, pinke Socken, die durch meine lila Riemchenhausschuhe blitzen.

Kommentar meiner Hebamme: „Muss ja wirklich sehr wehtun so wie du aussiehst!“

Im Kreißsaal spielen Dinge wie Hosen, Pressoutfits und  Styling generell keine große Rolle. Mit letzter Kraft schaffe ich es mit der Hilfe meines Freundes meine Sachen auszuziehen. Möchte einfach nur mein Kind rausbefördern ohne dabei draufzugehen.

So ergibt es sich also von ganz allein, dass ich zwischendurch keinen scheiß Labello, Traubenzucker und Apfelsaft und auch keine Bilder von dem Geschehen gemacht haben will.

Daran denkt in diesem Zustand tatsächlich auch niemand mehr.  In einem durchgeschwitzten Top, welches zusätzlich noch mit Blut etc. beschmiert wird und einem Wickelrock aus einem Klinikbadetuch bringe ich also nach knappen 26 Stunden unseren Nolan zur Welt.

Auch die restlichen Tage, die ich mir eher wie einen Aufenthalt im Wellnesshotel vorgestellt habe verlaufen anders. Man ist froh, wenn man aus eigener Kraft in die Dusche kriechen kann und darin dann nicht umfällt. Also ist das Blitzprogramm angesagt. Haarspülung und weitere Pflegeprodukte beschweren sich aus dem Kosmetikbeutel heraus. Bleiben aber darin gefangen. Das einzig wichtige ist eine dunkle, bequeme Hose und was warmes für obenrum. Ich friere mir den Arsch ab. Nach dem Tag voller Besucher und Stillversuche möchte ich mich einfach nur noch ablegen. Scheiß auf den Schlafanzug! Die lustigste Idee ist für mich im Nachhinein, die mit dem Buch. Das letzte was ich in der Klinik habe ist Zeit zum Lesen. Sobald der Besuch sich endlich erbarmt hat uns ein wenig Ruhe zu gönnen, starre ich natürlich stundenlang wie ein Psycho mein wunderhübsches Baby an. Alles andere ist fast schon unangebracht. Nach drei ereignisreichen Tagen fahren wir also heim. Mit einem Koffer voller frischer Sachen, den ich ruhig für den nächsten Kurzurlaub stehen lassen könnte.

 

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8 Comments

  • Reply Chantal 26. März 2017 at 11:19

    Hahahaha…wie recht du hast. …und ich gehe so arg davon aus das es beim 2. Kind kaum anders sein wird…weil „man kennt es ja“ & ist vorbereitet also kann man sich auch umziehen und zurecht machen 😂😂😂😂

    • Reply Katy Maserati 26. März 2017 at 18:52

      Genau 😂 da geht sicher noch spontan Mani – und Pediküre sowie Ansatz nachfärben. Denn „man weiß ja wie’s abläuft“.

  • Reply Naddy 26. März 2017 at 13:55

    Mein it-piece war der handliche Mini-Rasierer + Radiergel in Reisegröße. Habe ich extra gekauft. Ist noch verpackt 😀

    • Reply Katy Maserati 26. März 2017 at 18:53

      Das wäre doch was für ein Gewinnspiel 😂

  • Reply Naddy 26. März 2017 at 13:56

    Radiergel .. auch schön 😉

  • Reply Tattey 26. März 2017 at 23:58

    Aaaaaahahahahhaha ich kann nich mehr !!! 🙌🏻1000% einfach nur „Die Wahrheit “ 👌🏼Und sooooo schön geschrieben ! Da kommen die Erinnerungen an meinen „Urlaubskoffer “ zur Geburt wieder hoch 🤣

  • Reply Ändie 28. März 2017 at 21:32

    Ich hatte beim ersten Kind 2 Taschen. Eine größere für „danach“ (mit ähnlich unsinnigen Dingen darin, die du beschreibst) und eine kleine für während der Geburt. Damit ich nicht alles direkt in den Kreisssaal schleppen muss.
    Beim zweiten Kind war besagte kleine Tasche die einzige, die ich mit hatte. Für Geburt und danach. Und hat auch gereicht 😅 Man lernt dazu 😁

  • Reply Jasmin 31. März 2017 at 15:17

    Genial geschrieben 😂😂😂😍❤️

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