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Vorstellung vs Realität – Whitelivingbude vs Japanische Karaokebar

12. März 2017

„Bekomme ein Baby“ sagten sie, „das wird toll“ sagten sie! Und hey, so hatte ich es mir auch vorgestellt. Ich dachte daran, wie ich mein kleines perfektes Baby durch unsere perfekte Wohnung tragen würde, wie wir gemeinsam in unserem weißen Bett kuscheln würden und in dem liebevoll und perfekt eingerichtetem Kinderzimmer, das uns nicht nur ein kleines Vermögen, sondern auch mehrere Nervenzusammenbrüche gekostet hatte, spielen würden. Soweit also der Plan: Mit dem perfekten Baby in der perfekten Wohnung sitzen. Ihr könnt euch nun ein boshaftes Lachen denken, so wie es Gauner immer machen, wenn ihr Plan aufging.

Vermutlich hätte ich genauso gelacht, würde mir seit Milans Einzug die Kinnlade beim Anblick unserer Wohnung nicht täglich bis zur hoffentlich irgendwann wieder verschwindenen linea negra fallen. Das hatte mir keiner gesagt. Die Sache mit dem neuen Mitbewohner hatte von Anfang an eine ganz andere Richtung eingeschlagen. Ja diese 51 cm torpedierten tatsächlich MEINEN Plan.

Dabei frage ich mich die ganze Zeit, wieso mir das eigentlich keiner gesagt hat. Diese Schweine. Dabei hatte es jeder von ihnen besser gewusst. Tja, selbst ist die Frau. Deshalb kläre ich nun auf: Zuerst einmal möchte ich mir selbst eine Facepalm geben. Für unsere Einrichtung im Allgemeinen und für die Idee ein weißes Bett, eine weiße Couch und eine weiße Küche zu kaufen. Mit Kleinkind. Ja ne – ist klar. Reden wir Klartext.

„Weiß“ heißt mit Kleinkind niemals „weiß“. Glaubt diesen White-Living-Blogs nicht. Ich weiß nicht, wo sie ihre Bilder aufnehmen oder an wen sie ihre Seele für so eine Wohnung verkauft haben, aber falls ihr euch nicht auf einen Pakt mit dem Teufel einlassen wollt, empfehle ich: kauft auf keinen Fall weiß!

Die schmerzhafte Erfahrung mit dieser Farbe mussten wir bereits am 13.12.2015, einen Tag nach Milans Geburt machen, als der Bezug unseres Bettes vom Sohn unter größter Anstrengung gelb und braun eingefärbt wurde. Ja das war ein ganz schöner Schock. Doch nun, wo Pasta und Spinat zur Grundernährung meines Kindes gehören, habe ich aufgehört mich zu ärgern. Stattdessen überlege ich ernsthaft Couch und Küche mit Tüchern zu verhängen, denn das erspart das lästige Putzen. Oder wir ziehen einfach in einen Bunker, einen ohne Fenster und ohne Möbel, denn „Putzen“ heißt mit Kleinkind zwei Stunden für etwas zu brauchen, das im Normalfall keine 30 Minuten in Anspruch nimmt. Im Prinzip ist es, als wollte man in einer Nussschüssel mit Leck den Pazifik überqueren. Es ist total fürn Arsch. Du putzt das Waschbecken, dein Kind rollt das Klopapier ab und reißt es in kleine Fetzen und während du das Bett machst, räumt dein kleines DNA-Vermächtnis den Kleiderschrank aus.

Kinder sind echte Schädlinge, zwar die süßesten ihrer Spezies – aber auch die hartnäckigsten. Es ist wirklich so. Schaut man nach dem Frühstück in unseren Essbereich ist man gewillt zum Klingelschild zu rennen, um sich zu vergewissern ob man wirklich bei uns ist oder versehentlich nicht doch bei den Flodders geklingelt hat. Ja, es ist kaum zu glauben wie viele Krümel EIN Toastbrot verursachen kann. Man sollte das physikalisch dringend erforschen.

Und weil das eine zwingend zum anderen führt, komme ich gleich zum nächsten Punkt. Zur Sache mit der Wäsche. Wo kommt die her? Ernsthaft: wer verursacht die? Manchmal habe ich das Gefühl ich wasche durchgehend! Vielleicht sollte ich mal in der Abstellkammer schauen, ob da nicht vielleicht irgendwelche Zwerge wohnen, denen Milan seine Kleidung zum Feiern ausgiebiger Orgien leiht.

Zugegeben, nach der Schilderung könnte man meinen bei uns sei es nie aufgeräumt… Aber das möchte ich klar stellen: Natürlich ist es bei uns aufgeräumt! Für den Nanobruchteil einer Sekunde, wenn er zum Beispiel gerade schläft oder wo anders ist, doch mit Einzug dieses 3-Kilo-Bündels hat sich unser Zuhause peu á peu in ein quietschendes, blinkendes und überbuntes Etwas verwandelt, das mehr einer japanischen Karaokebar gleicht als einer schicken Whiteliving-Bude.

Denn Kinder sind nicht nur Schädlinge, sie sind wie Affären, die bei Männern heimlich ihre Haarklammern platzieren und dann irgendwann, ohne dass der Mann etwas davon gemerkt hat, eingezogen sind. Das kindliche Pendant zur Haarklammer ist im besten Fall eine Rassel, im schlimmsten Fall ein singender Lauflernwagen von V-Tech.

Ganz egal. Fakt ist: nichts davon lässt sich ins Kinderzimmer verbannen. Zumindest nicht in den ersten Lebensjahren. Ja wirklich, wir haben es versucht. Aber er hält das irgendwie für keine gute Idee und so sitzen wir abends auf unserer Couch zwischen Teddy, Elefant und Koalabär und schauen in unser 65 Zoll Curved Monster, das zwar größer ist als unser eigenes Kind, aber dennoch nicht von dem Schaukelmammut ablenkt, das uns – neben einer Holzarche und einem Play and Go Sack wachend – grimmig entgegen starrt.

Ja es ist weit gekommen mit uns, die Verhandlungen, welche Ecke im Wohnzimmer für ein Bällebad genutzt werden könnte, sind bereits im Gange. Das alles klingt schrecklich aber es ist gar nicht mal so verkehrt, wenn man die wichtigsten Grundregeln beachtet.

1. Laufe NIE und zwar wirklich NIE im Dunkeln durch ein Zimmer. Du wirst auf etwas treten, das nicht dir gehört und der Schmerz wird jede Presswehe überschatten und 2. Finde dich damit ab, dass es so ist wie es ist. Fang bloß nicht an dich vor kinderlosen Freunden zu rechtfertigen. Weise ihnen stattdessen einen sicheren Weg durch eure Wohnung und erinnert sie daran die Couch vorher anzuschauen, bevor sie sich drauf werfen. Denn hier lauern schließlich Bauklötze und andere Gefahren.

Ja ganz ehrlich, eigentlich fühle ich mich ganz wohl. Und so sitze ich hier, auf meiner Couch, glücklich über mein Kind, zwischen einem singenden VTech-Telefon, drölftausend Schnullern und vier einzelnen Schuhen in Größe 19, schaue aus dem von Fingerabdrücken übersäten Fenster und denke: „Gar nicht mal so übel hier.“

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