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Zwischen Hirsekringeln, Reboarder und Nervenzusammenbruch – Autofahren mit Kind

19. März 2017

Früher war alles anders – fast alles. Packen konnte ich nämlich noch nie. Also fuhren wir immer vollbepackt mit Schuhen, Kleidchen und Kosmetik über den Brenner, hörten Katzlmacherhits und freuten uns auf den ersten #opferolspritz am Gardasee.

Jetzt reise ich mit Kind und fühle mich wie eine Jungfrau vor ihrem ersten Mal.

Ich weiß einfach nicht, was ich tun soll. Wie ein aufgescheuchtes Huhn laufe ich durch die Wohnung, packe hier einen Schlüpper ein, dort eine Windel, putze Kotze weg, mache das Katzenklo – und vergesse einfach meine Zahnbürste.

Die nächste Hürde: Tetris im Auto. Wie schaffen wir es, mehrere Taschen, Reisebett, Kinderwagen, Matratze, Snacks, Jacken und vieles mehr in den Kofferraum zu bekommen? Das kann nur eskalieren und so kommt es – wir schreien uns an, weil ich einfach für acht Wochen in der Wildnis anstatt für drei Tage bei den Großeltern gepackt habe. Hinzu kommt, dass meine bessere Hälfte mir einfach nur zugesehen hat anstatt mir zu helfen.
Denn er hat lieber auf sein Handy gestarrt und sich darauf verlassen, dass ich an Alles denke. Am Ende ist das Auto beladen, jede erdenkliche Ritze wurde genutzt – Fußraum ist schließlich nicht für Füße da – und wir reden nicht mehr miteinander.

Dann Endlich raus aus München. Man versucht sich zu entspannen und schickt Stoßgebete zum lieben Herrgott, dass der Klops da hinten endlich einschläft und man zumindest zwei Stunden Ruhe hat.

 In meinen Träumen fahren wir dem Sonnenuntergang entgegen, ich trage eine große Sonnenbrille und ein gepunktetes Kopftuch, so wie all die Filmdiven in Hollywood-Streifen das immer tun, das Kind schlummert friedlich auf dem Rücksitz oder sieht sich wahlweise ein Buch an. Wir haben kaum Verkehr, die Autobahn ist frei, keine Staus weit und breit.

Von wegen. Ich finde mich hinten sitzend wieder, wühle verzweifelt im Fußraum nach Spielsachen, Büchern und der ganzen Palette an fruchtbar-Snacks. Wir teilen uns eine Tüte Kringel, Stücke davon werden wir ein paar Tage später in allen möglichen Ritzen finden. Auf einmal wird das Kind verdächtig ruhig, ich hoffe er schläft. Irgendwie wirkt er apathisch.

Und plötzlich kommt es nur so aus ihm heraus. Das Wurst-Case-Szenario tritt ein.

Er lässt sich sein Mittagessen in Form von Wienern gepaart mit Hirsekringeln und Wasser nochmal durch den Kopf gehen, säuerlicher Geruch strömt durch das bayerische Vehikel. Es sieht aus, als wäre Uli Hoeneß‘ Wurstfabrik explodiert und hätte die umliegenden Dörfer unter heißer Wurstlava begraben. Wir suchen verzweifelt nach einer Raststätte und finden uns auf einem Baumarktparkplatz wieder – das Kind ist wieder fröhlich und turnt nackt auf der Rückbank herum.
Ich bete nur, dass er nicht auch noch pinkelt. Während ich wie ein tasmanischer Teufel den Sitz auswische und nach Klamotten wühle (klar, dass die ganz unten in der Tasche sind), bespaßt der Kindsvater das Kind und ich fange an, ihn zu hassen – warum wische ich hier eigentlich die Kotze aus dem Sitz?

Wir stehen kurz vor der nächsten Krise. 

Fertig, es riecht zwar nach Verwesung aber wir müssen weiter – der Klops ist nun quietschvergnügt und möchte bitte unterhalten werden. Ich bin müde, will doch nur schlafen. Es nimmt einfach kein Ende. 50 km vorm Ziel dann der Super-Gau – das Kind schläft. Jeder, der selbst Kinder hat weiß, was das bedeutet. Powernap sticht reguläre Einschlafzeit. Bis 22:00 Uhr werden wir unfreiwillig eine Party feiern. Reisen mit Kind habe ich mir wirklich anders vorgestellt.

Endlich angekommen am Ziel wacht er auf, Windel voll – echt jetzt?! Was erwartet mich denn noch?

Wieso sieht das in Filmen immer so harmonisch aus? Die Kinder spielen witzige Spielchen oder sie schlafen. Sie glucksen fröhlich vor sich hin und die ganze Familie singt lustige Lieder. So hab ich mir das erträumt. Ich glaub, ich bleib nur noch in Bayern – denn das das so kommt, hat mir wirklich keiner gesagt!

 

eure Milla (Instagram: Milla_von_bayern )

 

 

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2 Comments

  • Reply Franziska 19. März 2017 at 15:22

    Liebe Milla, danke für deinen Blogeintrag!! Denn dank dir musste ich gerade im Zug von München nach Köln herzlich lachen, nachdem mein 10 Monate alter Sohn hier 3 Stunden lang Terror gemacht hat und trotz essen, trinken, krabbeln, auf dem Arm oder im Maxicosi sich nicht wirklich beruhigen wollte. Ich glaube alle hassen uns – ich uns auch 😉 Und dann ist er eben endlich eingeschlafen und schnarcht schön vor sich hin und ich konnte euren neuen Post lesen – und endlich lachen… Noch 90 Minuten, dann können wir mit unseren 3 Taschen plus Maxicosi und Kinderwagen endlich den Zug verlassen… Kommt gut wieder zurück nach München!!!

    • Reply Milla 20. März 2017 at 21:27

      Liebe Franziska, vielen Dank. Schön, dass ich dich ein wenig aufheitern konnte – wer kennt denn diese Situationen nicht? Das mit dem Zugfahren hab ich noch nicht ausprobiert, aber kann mir schon vorstellen, wie gern dich die Anderen Fahrgäste mochten 🙂 Viel Spaß in Köln und gute Heimreise!

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