#fürmehrrealität #milfs

Baby on Board & MILF am Steuer

22. Februar 2017

Lässig aus der Hüfte die Tür aufsperren, die Handtasche auf den Beifahrersitz werfen, kurzer Make-Up-Check im Spiegel der Sonnenblende und erst mal schön das Verdeck öffnen. Schließlich will man ja der Welt zeigen was da für ne heiße Schnitte im MINI Cooper S Cabrio sitzt. Dann, ganz wichtig: Musik. Am besten laut. Bei jeder Gelegenheit zeige ich meinen Mitmenschen in ihren getuneten 3er-BMWs wer das Alphatier des Rudels ist. Understatement mag ich. Niemand nimmt das kleine Mädchen in ihrem Go-Kart ernst und alle wundern sich, was in dem kleinen Auto an Power steckt. Ich habe immer Vorfahrt, fluche wild und wessen Fahrstil mir nicht gefällt, dem zeige ich wo der Hammer hängt.

Es regnet Strafzettel. Und ich sammle ordentlich Punkte in Flensburg.
Vor allem in der Schwangerschaft fahre ich sehr aggressiv. Ich fühle mich von jedem angepöbelt, ob jung, ob alt, ob Fahranfänger oder Rentner. Ich steige nach jeder Fahrt mit erhöhtem Puls aus und würde am liebsten erst einmal schlägern.

 

Vollbepackt und keuchend stehe ich vor dem familienfreundlichen Kombi aus unserer bayerischen Landeshauptstadt mit dem geräumigen Kofferraum und dem Isofix und suche meinen Schlüssel zwischen Windeln, Ersatzkleidung und zerbröselten Hirsekringeln, die auf dem Boden meiner Handtasche ihr eigenes Kringel-Biotop gegründet haben.

Ich werfe alles ins Auto um meine Hände frei zu haben. Schließlich muss das Kind noch in den Reboarder. Linker Arm ist drin, rechter Arm auch, jetzt noch zuklick… aah! Fingernagel abgebrochen.
Gut, los. Sind eh zu spät. Wie immer.

Im Hintergrund leise Musik. An der ersten Kreuzung werde ich der Vorfahrt beraubt. Ich fluche innerlich und fahre weiter – gemäß der Straßenverkehrsordnung der Bundesrepublik Deutschland. Auf der Autobahn halte ich gefühlt 874 Autolängen Abstand und bekomme hysterische Schreianfälle wenn mein Mann dies nicht tut. Wir streiten.

Die Rückbank ist voll mit Bröseln und Essensresten. Irgendwo liegt immer ein Schnulli im Auto und Windeln gibt’s ersatzweise im Kofferraum.
Ich höre ein zufriedenes Schnarchen.

Die Angst fährt ständig mit. Ich bräuchte einen Baby-Aufkleber mit “Angst on Board”.

Ich transportiere schließlich das Wertvollste, was ich habe. Dafür fahre ich gerne wie jemand, der mich früher tierisch aufgeregt hätte.
Und jetzt werde ich angehupt. Mir wird aufgeblendet. Dann erinnere ich mich an die gute alte Zeit, grinse zufrieden in meinen Rückspiegel und lasse mich durch Nichts und Niemanden aus der Ruhe bringen.

 

Follow on Instagram

You Might Also Like

No Comments

Leave a Reply