#fürmehrrealität

Lebensmittelpunkt Kind- darf man auch “mehr” wollen?

24. März 2017

Kinder zu bekommen stellte schon immer einen zentralen Punkt auf meiner Lebensagenda dar. Das wusste ich schon als kleines blondes Mädchen und heute wo ich Mutter bin, weiß ich ” Mutter zu sein ist toll”. Mit keiner Faser meines Körpers könnte ich es je bereuen ein Kind bekommen zu haben. Nie in meinem Leben habe ich so viel Stolz und Liebe für einen anderen Menschen empfunden, niemals hab ich etwas Besseres erschaffen.

Und dennoch, seit Milan in unser Leben getreten ist, stelle ich mir immer wieder diese eine Frage. Muss mir das reichen? Reicht mir das um glücklich zu sein?

In unsere Kinder investieren wir den Großteil unserer Freizeit, unserer Emotionen und auch unserer finanziellen Mittel und ich sicherlich wird sich das eines Tages auszahlen; nämlich dann, wenn -in meinem Fall- aus dem schönen, kleinen, blauäugigen Baby mit dunkler Haarpracht ein  schöner, großer, erfolgreicher und vor allem glücklicher Mann geworden ist. Dann werde ich sagen: “Haste jut gemacht” und stolz auf diese Zeit zurückblicken.

Doch was passiert eigentlich, wenn Tag X gekommen ist? Was passiert, wenn unsere Kinder uns nicht mehr brauchen?  Wenn sie älter werden, erfahrener und selbstständiger? Wenn sie ausziehen und uns verlassen, wenn sie die Welt bereisen und eigene kleine Familien gründen? Was wird dann aus uns?

Was passiert mit mir als Frau, als Mensch, wenn die Rolle der Mutter eines Tages einen untergeordneten Stellenwert einnimmt? Wie werde ich meinen Alltag gestalten? Werde ich irgendwann wirklich dastehen und zufrieden mit dem sein, wie mein Leben gelaufen ist?

Immer wieder werde ich schief angeschaut, weil ich es wage ” so viel” zu arbeiten, weil ich gerne mal feier und mich auch mit meinen Freunden verabrede, ja weil ich mir einen Teil meines alten Lebens bewahre, dem Leben ohne Kind. Ich fühle mich manchmal verurteilt, als würde man von mir erwarten den ganzen Tag Daheim zu sitzen! Doch soll mein Leben so sein? Soll ich im Leben wirklich nichts mehr anderes haben als mein Kind? Bin ich nur dann eine gute Mutter, wenn ich alles andere hinten an stelle?

Immer wird gefragt, ob es anders, denn nicht besser für unser Kind sei. Aber wer fragt denn mal nach uns? Was besser für uns ist? Ist es zu egoistisch solche Gedanken zu haben? Beeinflusst Arbeit- und Freizeitgestaltung die Entwicklung unserer Kinder wirklich so ungemein wie es die Gesellschaft uns einreden möchte?

Ich sage nein. Ich glaube nicht, dass es für die Entwicklung unserer Kinder relevant ist, ob Mama arbeiten geht oder nicht, beim Ausgehen ein Gläschen zu viel hat oder sich einen anderen Müttermafia-Fauxpax leistet. Wie ich darauf komme? Weil es das ist, was ich in meiner Kindheit erlebt habe. Eine Mutter, die stets arbeiten ging, eine Frau, die mit Freundinnen Abends auch mal etwas zu lustig wurde, die auf Konzerte ging und immer viele Hobbies hatte.

Vielleicht bin ich für den ein oder anderen Leser nicht das Paradebeispiel eines gelungen Menschens, aber hey, ich war ich immer ein glückliches Kind, mir hat es nie an Liebe oder Zuwendung gefehlt. Meine Mama war immer da, vor allem, wenn es darauf ankam und heute bin ich eine glückliche, erwachsene Frau, mit einer engen Beziehung zur eigenen Mutter und einer eigenen kleinen Familie.

Meine Mutter hat immer auch auf sich geachtet und war deshalb nicht nur glücklich, sondern auch die beste Version ihrer selbst, die beste Mutter, die sie mir hätte sein können. Daher meine ich: Wir sollten den Mut haben uns selbst zu lieben und uns selbst etwas Gutes zu tun. Wir sollten den Mut haben unsere eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und trotz Kind und der Verantwortung, die man dafür trägt, auch mal verantwortlungslos zu sein, auf den Putz zu hauen und all das zu tun, was die Gesellschaft uns Müttern verbietet.

Es ist keine Schande sich selbst einzugestehen, dass man mehr vom Leben erwartet. Es ändert nichts an der Liebe zum eigenen Kind und macht einen auch nicht zum Menschen der Klasse B. Selbstliebe kann helfen entspannter zu sein, die Dinge gelassener zu sehen. Ja, der ein oder anderen kann ein bisschen Selbstliebe vielleicht sogar helfen, eine bessere Mutter zu sein.

Ich bin sicher meine Ansicht des Lebens wird nicht von jedem Leser hier geteilt, aber das ist nicht das Ziel, nein es ist mir nicht wichtig, denn ich glaube das Wichtigste ist in der hölzernen Kiste am Ende des Lebens in eine der Himmelsrichtung zu entschweben und zu sich selbst sagen zu können: “Deine Zeit hast du gut genutzt. Ja, das haste jut gemacht!”

 

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9 Comments

  • Reply Franziska 24. März 2017 at 21:33

    Danke Nadja! Das tat gerade voll gut deine Zeilen zu lesen!!! Euer Blog ist großartig und ich liebe eure verrückten Erlebnisse – aber auch das Innehalten und Gedenken… Alles Liebe, Franziska

    • Reply Nadja Matkovic 24. März 2017 at 22:37

      Danke Franziska! So solls sein! Wir wollen zum schmunzeln, nachdenken und lachen anregen. Alle Emotionen der Welt, gibts hier im Milfcafe ☺

  • Reply Ändie 24. März 2017 at 22:01

    Happy Mum, happy Baby ! 🙌🏼 Oder Kleinkind. Teenie :)

    Ich werd nach Tag X die Dinge tun für die ich momentan keine Zeit hab. Klavier lernen oder so :)

  • Reply Nadja Matkovic 24. März 2017 at 22:37

    Genau! Happy Mum, happy Kid! So sehe ich das auch! Wenn ich glücklich bin, bin ich nicht nur die beste Version von mir, sondern auch die beste Mama, die ich sein kann ☺️

  • Reply Birte 24. März 2017 at 22:44

    Warum hast du dann ein Kind bekommen??? Du gibst dich nicht komplett auf? Skandal! Ich finde es super. Danke für deine ehrlichen Worte, ich hoffe, ich komme da auch hin :)

    • Reply Nadja Matkovic 25. März 2017 at 13:18

      Haha ja hätte ich mal besser oder? :) Bestimmt die Einstellung legt schon den wichtigsten Grundstein!

  • Reply Cati 24. März 2017 at 23:23

    Ich bin Mutter von vier Kindern zwischen drei und zehn Jahren. Ich bin “Vollzeitmutter”. Es war immer ok für mich. Doch nun merke ich wie es mich nicht mehr ausfüllt, ausschließlich glücklich macht. Ich würde gerne wieder mehr Ich sein. Leider ist es schwierig. Mein Mann ist Alleinverdiener und meint, damit ist sein Part zum Familienleben abgegolten. Veränderungen gehen nicht immer heute auf morgen. Ich finde es wichtig, dass man auch man selber sein kann. Das versuche ich mir nun Stück für Stück wieder zu nehmen.

    • Reply Nadja Matkovic 25. März 2017 at 13:22

      Es tut mir leid zu hören, dass du dafür “kämpfen” musst, mehr Zeit für dich zu haben. Zum Familienleben sollten sowohl Mann als auch Frau beitragen. Allerdings verstehe ich auch, dass es deinem Mann schwer fällt, die Veränderung deiner inneren Einstellung von “heute auf morgen” zu akzeptieren… wenn sich etwas erstmal eingespielt hat, ist es eben schwer die Dinge wieder zu ändern. Wichtig ist dennoch, dass du glücklich bist und ich finde es toll, dass du den Mut hast, dir selbst einzugestehen, dass es Dir deine Rolle als “Vollzeitmutter” nicht mehr reicht und dass du daran arbeitest, dir wieder mehr Zeit für dich zu nehmen! Alles Gute :)

  • Reply Dagmar 26. März 2017 at 19:13

    Hallo,

    Ich bin zweifach Mama von Jungs (6+10) war die ersten 6 Jahre “Vollzeitmama” und damit total glücklich 😍Nun wurschtel ich mich seit 4 Jahren durch den ‘neuen’ Alltag. Der immernoch nicht rund läuft! Für die Jungs ist der “Zeitverlust” hart und manchmal frag ich mich ob der Mann zum dritten Kind geworden ist! Ich empfinde es allerdings als total Erfüllend, wenn dann mal ein Tag rund läuft und denk mir: Siehste, geht doch😀 Ich bereu’ auch keine Sekunde meine Mutterschaft, aber es macht schon Sinn sich nicht vollständig aufzugeben!

    Liebe Grüße
    Dagmar
    Aktuell zwischen Vollzeitegoistin und Supermum

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