#schwangerschaft #sternenkinder

Sternenkind Linus -Teil 1

4. Mai 2017

2014 war ein tolles Jahr. Zumindest begann es toll für uns. Wir waren glücklich. Im Sommer wurde ich dann schwanger. So richtig geplant war es nicht aber doch gewünscht. Ich wollte immer jung Kinder haben.

Noch bevor der Test positiv war, wusste ich, dass ich schwanger bin. Ich wusste es einfach. Mein Ekel Fleisch gegenüber bestätigte das nur. Als ich es dann sicher erfuhr, war ich unheimlich glücklich… und doch erfüllte mich innerlich eine Angst. Ich hatte Angst, dieses Kind zu verlieren. Ich fragte meine Mutter, ob sie je eine Fehlgeburt in ihrem Leben hatte. Doch das hatte sie nicht.

Im Krankenhaus, in dem ich arbeitete, hatten wir zu diesem Zeitpunkt viele isolierte Zimmer und mich plagte die Übelkeit, ich musste mich permanent übergeben.

Als ich dann meinen ersten Frauenarzttermin hatte, konnte man die Fruchthöhle noch nicht sehen. Ich erinnere mich, dass mein Frauenarzt sehr unsensibel war und mich fragte, ob ich mir denn überhaupt sicher sei, dass ich schwanger bin. Er riet mir in wenigen Tagen wieder zu kommen.

Einige Tage später war es dann so weit. Ich besuchte ihn auf der Station auf der er arbeitete, während ich im Krankenhaus Dienst hatte. Praktischerweise hatte er dort Belegbetten und war deshalb, auch wenn er nicht in dem Krankenhaus arbeitete vor Ort. Da ich nicht wollte, dass meine Kollegen Verdacht schöpfen, erzählte ich, mein Abstrich sei schlecht gewesen und ich müsse nochmal zur Kontrolle.

Und da war sie – die Fruchthöhle. Ich saß auf diesem Stuhl und musste erst mal heulen. Er gab mir das erste UItraschallbild und sagte mein Hcg Wert sei nicht so toll. Doch ich wusste nicht, was das bedeutete, denn mit diesem Thema hatte ich mich nie wirklich beschäftigt.

Mit meinem Ultraschallbild in der Kitteltasche stand ich da und strahlte vor mich hin. Ich hab mich soo sehr über dieses Baby gefreut. Ich hätte es am liebsten in die Welt geschrien. Dieser Gedanke: In mir wächst jetzt UNSER Baby. Ein kleines Wunder.

Schnell erzählten wir es unseren Familien. Eine Nackenfaltenmessung lehnte ich ab, mit der Begründung, dass ich gesund sei und mein Kind es deshalb auch sein würde. Ich war wirklich naiv. In dieser Zeit wechselte ich den Frauenarzt, mein Beschäftigungsverbot bekam ich in der 18. SSW.

Seltesamerweise träumte ich von Beginn der Schwangerschaft an schreckliche Dinge. Unter anderem träumte ich immer wieder von einem weißen Kindersarg mit bunten Blumen. Doch ich dachte mir nichts dabei, weil ich gelesen hatte, dass es anderen Frauen ähnlich erging.

In der 15. oder 16. Woche erfuhren wir , dass wir einen Jungen bekommen würden. Ich wünschte mir ein Mädchen, mir war aber von Anfang an klar, dass es ein Junge werden würde. Ich war so stolz auf Ihn. Sein Name stand fest. LINUS.

Ich pochte darauf, zur Feindiagnostik zu müssen. Wenn ich anderen erklärte, was das ist, erzählte ich immer, dass man da sehen könne, ob das Baby einen Herzfehler habe und man so in einer speziellen Klinik entbinden müsse, damit dem Baby geholfen werden kann. Ich meldete mich dafür also in einer anderen Praxis an, denn die Geräte meines neuen Frauenarztes waren zu veraltet.

Nebenher beschlossen wir zu heiraten. Allerdings nur im kleinen Kreis, da die Familie meines Mannes ziemlich groß ist. Wir wollten unsere große Feier  mit der Taufe unseres Sohnes verbinden.

Der Termin für unsere Hochzeit war am 18.11.14. Da am nächsten Tag in Sachsen Buß- und Bettag ist, wählten wir dieses Datum. Am Donnerstag, den 13.11.14 allerdings sollte sich unser Leben bereits verändern.

Martin war zum ersten mal zum Ultraschall mitgekommen. Er nahm sich frei und wir freuten uns auf dieses Baby- TV, wie es andere immer nennen. Wir saßen im Wartezimmer, welches voll war. Das Praxisteam war total nett. Endlich waren wir an der Reihe.

Die Ärztin fragte uns, ob es denn irgendwelche Erkrankungen in unseren Familien gäbe. Wir erzählten ihr, dass sich bei meiner Schwiegermutter das sog. Foramen Ovale nicht schloss nach der Geburt und sie da vor ein paar Jahren operiert werden musste. Sie begann mit dem Ultraschall. Die erste Einstellung war das kleine Herz von Linus. Ich dachte sofort, dass das komisch aussieht. Dachte mir dann aber, dass es mit Sicherheit eine komische Einstellung sei und ich mich sicher irre.

Die Ärztin schallte lange. Sie maß alles aus. Mehrfach. Sie kam immer wieder zum Herzen zurück. Ich dachte mir, dass hier irgendwas nicht stimmt. Doch die Worte, trafen mich wie ein Schlag ins Gesicht. Sie erklärte uns, dass unser Baby einen Herzfehler hat und, dass er für die SSW zu klein sei. Die Art von Herzfehler und Größe sprachen dafür, dass unser Baby eine Trisomie 21 haben könnte.

Und von einer Sekunde auf die andere liegt deine Welt, wie ein Glas zerbrochen auf dem Boden. Ich heulte einfach nur noch. Wir mussten in eine Spezialklinik, um alles abklären zu lassen. Das Team fragte uns, wann wir keine Zeit haben würden… Wir nannten den 18.11., Dienstag, denn DA WÜRDEN WIR HEIRATEN! Scheiße!

Zunächst schickten Sie uns ins Wartezimmer zurück. Dort waren Schwangere und Neugeborene. Die Tränen liefen nur so. Ich hatte eine riesige Wut in mir. Warum ist mein Baby krank? Warum bekommt die Frau, die über 40 ist, ein gesundes Baby und ich mit meinen 20 Jahren nicht? Heute schäme ich mich für diese Gedanken. Wir bekamen unseren Termin für den 17.11. in Leipzig.

Im Auto brach schließlich auch mein Mann in Tränen aus. Wir hielten uns im Arm und weinten einfach. Die Fahrt zu meine Schwiegereltern, schwiegen wir beide uns nur an.

Es brach unsere Herzen erneut, unseren Familien von der Krankheit unseres Sohnes zu berichten, schließlich ging es ja auch um ihr erstes Enkel. Das Wochenende war unerträglich. Ich habe kaum geschlafen. Ich betete immer wieder. Die ganze Nacht. Ich konnte ja eh nicht schlafen.

Ich wollte nicht googlen aber meine Schwiegermutter steckte mich an. Ich laß viele positive Dinge. Wir beschäftigten uns mit dem Herzfehler und so weiter. Wir beschlossen dann doch mal nachzulesen und uns alles “schön” zu reden. Für uns war klar, dass wir ein Kind mit Trisomie 21 definitiv bekommen würden. Da gab es keine Diskussion. Auch wenn die Vorstellung bitter schmerzte.

Endlich war Montag, der 17.11.2014! Früh war ich noch bei der Kosmetik, um meine Wimpern machen zu lassen, ein komisches Gefühl, aber schließlich stand morgen ja die Hochzeit an.

Zum Termin in der Spezialklinik waren wir viel zu früh. Also gingen wir noch ein paar Runden durch die Gegend und fragten uns, wie das wohl alles werden würde, wenn wir erstmal hier sind… Monate getrennt voneinander. Ich mit Linus dort und mein Mann allein zu Hause? Müssen unsere Katzen weg? Gibt es ein Elternhaus? Wie sind die Chancen bei der OP? Muss am offenen Herz operiert werden? Überlebt er es? Kann er Fußball spielen oder müssen wir später sehr auf ihn achten?
Wie wird das alles werden? Fragen über Fragen. Wir mussten sehr lange warten. Vor uns war ein Paar, die ebenfalls ein Baby mit Herzfehler hatten.

Für uns wurde sich ausführlich Zeit genommen. Es wurde ein anderer Herzfehler festgestellt. Das Risiko auf die Trisomie 21 sank drastisch. Nach wie vor aber war er viel zu klein!
“Naja… Wenn der Eisprung sich verschoben hat und wir das so und so machen, dann würde es wieder hin hauen. Et 14 Tage später “

Ich dachte nur so, ja ja… erzähl nur… Und hör mir nicht zu. Das wäre so gar nicht möglich gewesen, da ich zum Zeitpunkt des angeblichen Entstehungsdatums ja schon einen positiven Schwangerschaftstest in meinen Händen gehalten hatte…

Sie erklärten uns das OP-Verfahren und wie die Zukunft mit unserem Linus aussehen würde. Wir bekamen Hoffnung. Zur Absicherung legten sie uns eine Fruchtwasseruntersuchung nahe. Sie sagten, die OP hinge vom Ergebnis der Untersuchung ab. Also entschieden wir uns dafür.

Zunächst einmal aber heirateten wir. Nur unsere Eltern waren eingeweiht. Es war toll – klein und familiär. Linus trat die ganze Zermemonie in meinem Bauch umher. Die Standesbeamtin erzählte uns vom kleinen Prinzen. Welche Bedeutung diese Geschichte später für uns haben würde, war uns zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst.

Wir cancelten unsere Flitterwochen. Schließlich ging es um unser Kind… Wir würden das alles einfach nachholen. Am 21.11. Musste ich dann zur Fruchtwasseruntersuchung in eine Klinik. Es tat weh!
Ich musste zusehen, wie das Wasser gezogen wurde – mir wurde übel!

Bevor die FU startete, musste ich in den Kreißsaal zum CTG schreiben. Sofern das in der 22. SSW möglich ist.
Vor dem Kreißsaal saßen Frauen, die zur Abtreibung da waren. Wir waren wütend. Die unterhielten sich da auch noch drüber und lachten dabei! Ich kannte die Ärztin, die die Untersuchung vornahm, aus der Berufsschule. Sie hatte bei uns unterrichtet und von daher wusste ich, dass ich ihr vertrauen konnte. Mein Mann musste vor der Tür warten. Linus bewegte sich zum Glück nicht. Ich hatte Angst um ihn.

Danach musste ich eine Dreiviertelstunde zur Überwachung im Kreißsaal bleiben.
Alles verlief gut. Da ich keinen FISH-Test wollte, mussten wir 14 Tage auf das Ergebnis warten. Doch das Warten war an sich nicht so schlimm. Denn keiner rechnete damit, dass bei der Fruchtwasseruntersuchung etwas raus kommen würde.

Fortsetzung folgt

 

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