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Sternenkind Mats

30. März 2017

Es gibt da diesen Jungen, der in den Sternen wohnt und mit den Engeln fliegt. Ich bin seine Mama (Ela, 27)

Wie alles begann: Ich war eine sehr glückliche Frau, hab den besten Mann der Welt, ein wundervolles Zuhause und viele Freunde. Mein Studium habe ich mit einer Bestnote abgeschlossen, ich hatte meinen Traumjob. Was noch fehlte war ein Kind, also setzte ich die Verhütung ab und man glaubt es kaum: im nächsten Zyklus war ich tatsächlich schwanger.

Den positiven Schwangerschaftstest in den Händen zu halten war überwältigend. Mein Mann freute sich so sehr, unser Glück war perfekt.

Die ersten Ultraschalltermine kamen und ich bekam den Mutterpass. Ich freute mich so sehr. Täglich habe ich die Bilder betrachtet. Langsam fingen wir an für unser Baby Sachen zu kaufen. Als wir erfuhren, dass es ein Junge wird, war mein Mann hin und weg. Er nannte uns jetzt schon „seine Crew“.

Im Oktober, rechtzeitig zur 18 SSW stand der Termin zum großen Organscreening bevor. Ich habe mir über diesen Termin keine Gedanken gemacht, denn das sind Termine die viele Schwangere wahrnehmen. Wir freuten uns schon riesig auf den Termin, endlich unseren kleinen Engel wieder zu sehen. Wie er sich bewegt und in mir rumtanzt.

Von Tag zu Tag spürte ich ihn mehr, meistens wurde er aktiv, wenn ich mich hinlegte und zur Ruhe kommen wollte… bis zu jenem Tag. Mein Bauch fühlte sich komisch und irgendwie hart an. Da mir sonst nichts fehlte und wir morgen eh den Termin zum Screening hatten, machte ich mir nicht all zu große Gedanken darüber.

Am nächsten Tag begann der Tag, der unser ganzes Leben für immer komplett verändern würde. Gegen 8:00 trafen wir in der Klinik ein und kamen auch sofort dran. Im Behandlungszimmer wurde kurz mit der Ärztin besprochen, was gemacht wird und ich legte mich zum Ultraschall auf die Liege. Mein Mann saß neben mir.

Der Ultraschall begann. Auf den ersten Blick sah alles aus wie immer… die Ärztin sagte jedoch sie komme gleich wieder. Auf einmal standen drei Ärzte im Raum und starrten auf den Monitor. Sie redeten leise. Die Stille war unheimlich. Ich spürte wie die Ärztin meine Hand nahm und es folgten die Worte, die die unheimliche Stille durchbrachen “Es tut uns leid, wir können keine Herztöne mehr feststellen“!

Alle weiteren Fragen die mir gestellt wurden, bekam ich nicht mehr mit. Stattdessen wurden die Worte der Ärztin immer größer. Ich konnte es nicht fassen. Sofort machten sich Angst, Verzweiflung, Hilflosigkeit und Trauer gleichzeitig in meinem Körper breit, doch geweint habe ich nicht, ich stand so unter Schock …

Im Mutter- Kind- Zentrum kam ich zu einer Frauenärztin, die mich nochmal untersuchen sollte. Ich ließ es einfach über mich ergehen. Ich hatte alles immer noch nicht realisiert, erst als die Frauenärztin sagte, dass sie einleiten und ich mein Kind still zur Welt bringen würde, brach ich in Tränen aus, denn ich realisierte das alles war kein Albtraum, das hier war mein Leben.

Auf einmal wurde es warm um mich. Ja die Ärztin umarmte mich. Sie sah mich an und sagte „Es ist so grausam und mit keinen Worten zu beschreiben. Ich habe auch ein Kind verloren…“ das war echte Größe von Ihr. Ich bat Sie nach Hause zu dürfen und am nächsten Tag zur geplanten Geburt wieder zu kommen. Sie ließ mich gehen …

Mein Mann und ich gingen spazieren. Erzählten unserem Sohn wie sehr wir uns auf Ihn gefreut hatten. Zu Hause brach mein Mann in meinen Armen weinend zusammen. Das hat mir mein Herz für immer gebrochen.

Spät Abends rief mich ein guter Freundan, der in der Klinik arbeitet und meine Akte gesehen hatte. Er telefonierte die ganze Nacht mit mir … Danke Jan für die tollen Worte.

Am nächsten Tag war es dann schon so weit. Die Geburt stand bevor. Zur Unterstützung kam, ohne das ich es verlangte, meine beste Freundin mit, falls mein Mann es nicht packen würde. Danke Anna, dass du mich keine Sekunde alleine gelassen hast.

Die Schmerzen der Wehen nahm ich kaum wahr, da der Herzschmerz überwog. Es dauerte einige Stunden, doch dann war es soweit… am 05.10.2016 um 14.10 Uhr sagte die Hebamme zu mir „Hier ist ihr Sohn, sie sind Mama“ Ich fing sofort an zu weinen. Ich küsste Ihn so oft, er war wunderschön.

Ich lag eine Stunde mit ihm im Bett, 1.000 Gefühle strömten durch meinen Körper. Dass Glück und Trauer, Freude und Verzweiflung so nah beieinander liegen können, wusste ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht. Es kam die liebe Frauenärztin ins Zimmer. Mein Sohn sollte in die Pathologie gebracht werden. Doch ich wollte ihn auf keinen Fall alleine lassen und so verlangte ich ihn dorthin zu bringen. Ich war erschöpft und mir war schwindelig wegen des Blutverlustes, trotzdem habe ich mich zusammengerissen, um meinen Sohn auf seinem letzten Weg zu begleiten.

An jenem Tag war strahlender Sonnenschein. Ich betrat den gläsernen Übergang von der Klink in das Gebäude der Pathologie und plötzlich begann es aus Strömen zu regnen.

Mein Sohn wusste, dass ich Regen schon immer liebte und ich weiß, auch wenn er nicht am Leben war, war er da! Mats – ich liebe Dich mehr als alles andere auf dieser Welt & bin stolz deine Mama zu sein.

Die Diagnose – plötzlicher Kindstod im Mutterleib. Der Tod von Mats hat mir viel an Lebensfreude genommen, mir jedoch meine Unbeschwertheit wieder gegeben, denn das Leben kann sich von einer Sekunde auf die andere so drastisch ändern und man kann nichts dagegen tun.

https://www.instagram.com/elassecrets/?hl=de

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1 Comment

  • Reply Beccy 30. März 2017 at 21:25

    Eine so ergreifende Geschichte. Ich finde es so mutig und tapfer, dass du deine Geschichte mit uns teilst! Sternenmamas sind die stärksten Frauen der Welt! Fühl dich ganz doll gedrückt! Für eure Zukunft nur das Beste!

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