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Von drauß’ vom Walde komm ich her…Geständnisse des Krampus

6. Dezember 2017

Die beste Zeit des Jahres ist für mich, wenn ich meine E-Mail-Signatur in „Krampus“ ändere. Dann ist wieder Zeit für Nikolaus… und Krampus!

Kurz für alle die mit der Thematik nicht so viel anfangen können: Der Nikolaus geht am 5. bzw. 6. Dezember von Haus zu Haus und bringt den Kindern ein kleines Geschenk. Aber bekanntlich ist ja nichts umsonst, deshalb müssen die Kinder den obligatorischen “Lob und Tadel” als pädagogische Maßnahme über sich ergehen lassen.

Ich will euch mal einen typischen Nikolaustag aus unserer Sicht schildern. In der Regel sind alle Termine ausgemacht, Lob und Tadel ist gedruckt und das Auto mit den Kostümen beladen.
Klassischerweise bekommt man dann um halb 9 den ersten Anruf, ob man nicht heute um halb sechs vorbeikommen möchte. #naklar
Es gibt ein 2-3 Termine, die ich ca. 30 mal vergeben könnte, und die liegen zwischen 17 und 19 Uhr. Die ersten Anfragen kommen dafür bereits im August…

Die Anfahrt wird zur Vorbereitung und Einstimmung genutzt: A-TEAM-Intro, eine Spezi-Halbe, ein paar blöde Sprüche (“Wie heißt die Frau vom Krampus? -Krampussy!”) und nochmal kurz den Text durchlesen.

Der Ablauf ist immer der Selbe: zum Haus fahren, einen geeigneten, nicht einsehbaren Platz zum Kostüme anziehen finden, die Geschenke in den Sack packen und los geht’s. Das ist auch ein Bild für Götter – wenn ein ausgewachsener Nikolaus von einem maskiertem Krampus die Perücke gerichtet bekommt.

Ab hier wird es interessant.

Was in der guten Stube passiert ist nicht vorhersehbar. Vom klassischen Hineingesungen werden bis zu Kindern, die versuchen den Vater oder Hund auf uns zu hetzen – alles kann passieren.

Die Kinder stellen sich vor dem Nikolaus auf und halten seinen goldenen Stab, der manchmal zu schwer ist und man echt aufpassen muss, dass das Kind samt Stab nicht einfach umfällt. Dann wird der Tadel vorgetragen, mit der lustigste Part überhaupt.

Die Klassiker wie:

  • früher ins Bett gehen
  • im eigenem Bett schlafen
  • mehr Gemüse essen und
  • besser Zähne putzen

liest man eigentlich immer vor. Aber dann gibt es da auch noch die ein oder andere Perle. So kann es schon vorkommen, dass sich 6-jährige in der U-Bahn prügeln, der Opa bei Stromausfall die Kaffeemaschine am Notstromaggregat anschließt und Beides kaputt geht oder der 13 Jahre alte Bruder bei der Schwester schläft, weil er zu faul ist, sein Bett zu beziehen.

Da fällt es manchmal schwer, ernst zu bleiben und das Mysterium “Nikolaus” aufrecht zu erhalten.
Besonders im Gedächtnis geblieben ist uns eine Mutter, die Familie und Freunde eingeladen hat, inklusive Koch. Um 14.30 Uhr war die Gute schon etwas betrunken und lachte sich bei jeder Kleinigkeit kaputt. Sie hat sich nicht mehr eingekriegt, was darin gipfelte, dass sie von der Couch gefallen ist und am Boden weitergelacht hat. Da musste ich als Krampus versuchen die Ordnung wiederherzustellen, was zu noch mehr Gelächter führte und zu guter Letzt dann ein Kind dazu animierte, die Mutter anzufauchen, dass sie das nicht vor dem Nikolaus machen dürfe.

Oder die Geschichte, als wir drei anstatt einem Kind besuchten und die Oma vergessen hatte uns die E-Mail weiterzuleiten. Da wurde die Oma ein wenig durch den Kakao gezogen, ob sie öfters mal was vergesse:

Ja, den Enkel vom Kindergarten abzuholen, weil eine Kochshow so spannend war.

Ein wenig verdutzt war ich, als mich eine Mutter aufforderte, ihren 12-jährigen Sohn in den Sack zu stecken und mitzunehmen, weil er seinen Geschwistern den Nikolausbesuch versauen wollte indem er die Klingel abgeschalten hat. Am Anfang fand er es noch recht lustig, bis ich ihn über die Schulter gelegt hatte, die Mama seine Beine in den Sack steckte, der Papa die Haustüre aufmachte und wir ihn mitgenommen haben. Die Tante hat alles gefilmt und die ganze Familie – bis auf den Sohnemann – hat schallend gelacht. Er kletterte dann auf das Mülltonnenhäuschen und ist wie ein geölter Blitz zurück ins Haus geflitzt. Die Mutter hat uns 10 Minuten später angerufen sich für die „Extra-Leistung“ bedankt.

Nachdem alles vorgelesen ist und alle Geschenke verteilt sind, wird zum Abschluss oft ein Gedicht vorgetragen oder musiziert. Flöte, Gitarren und Klavier sind hier sehr dankbare Instrumente. Geigen leider nicht. Wenn vorgelesen wird, dass mehr Geige geübt werden muss, hat das meistens auch einen Grund.

Gepaart mit der Anspannung und Nervosität ergibt das oft eine Kakophonie der besonderen Art.

Und wir möchten natürlich auch kein Kind entmutigen und hören uns die Stücke an. Das gehört dazu, ebenso wie sie dafür zu loben. Auch wenn manche Lieder nicht mehr identifizierbar sind und an Skrillex erinnern.

Wieder am Auto angekommen, heißt es dann schnell umziehen und zum nächsten Auftritt eilen.

In Bayern ist dies eine stark verwurzelte und, wie ich finde, schöne Tradition. Es fügt sich wunderbar in die Vorweihnachtszeit, wenn am 5., 6. Und 7. Dezember ein Nikolaus durch die Straßen zieht und alle Leute ermahnt brav zu sein – und Hunde davon abhält, auf seinen Krampus loszugehen.

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